Kundenservice

Damit das persönliche Ehrenamt nicht zum finanziellen Bumerang wird

veröffentlicht am 27.06.2016 |  
Thomas Kaessler

Thomas Kaessler

Leiter Privatkundenbetreuung

Ob im Sportverein, bei der Feuerwehr oder bei der Flüchtlingshilfe. Jeder Dritte in Deutschland übt ein Ehrenamt aus. Ohne diesen Einsatz wäre unser Gemeinwesen um vieles ärmer. Der Ehrenamtliche engagiert sich für eine gute Sache, sein Lohn ist die Dankbarkeit der Bedürftigen, das Lächeln eines Kindes. Gegebenenfalls erhält er noch eine kleine Aufwandsentschädigung. Keinesfalls sollte das Ehrenamt aber finanzielle Nachteile für Ihn erbringen. Doch was passiert, wenn ein Ehrenamtlicher bei seiner Tätigkeit einen Unfall hat oder anderen einen Schaden zufügt? Ab wann erhöht eine Vergütung für die ehrenamtliche Tätigkeit die Steuerlast oder wird auf Sozialleistungen angerechnet?

Wann zählt Ihr Engagement als Ehrenamt?

Die rechtlichen Auswirkungen orientieren sich an der Frage, ob Ihre Tätigkeit unter die Begrifflichkeit des Ehrenamtes fällt. Denn nicht jede Tätigkeit, so engagiert sie auch sein mag, wird hier abgedeckt. Kriterien sind unter anderem Freiwilligkeit, Förderung eines gemeinnützigen, mildtätigen oder kirchlichen Zwecks. Auch die Frage, für welche Organisation Sie Ihre Arbeit leisten ist von Bedeutung.

Je nachdem, ob steuerliche, haftungs- oder versicherungstechnische Fragen berührt werden, sind gewisse Kriterien zu erfüllen.

Das gilt bei Unfällen

Die Abgrenzung zwischen versicherter und nicht versicherter Tätigkeit ist bei der gesetzlichen Unfallversicherung nicht immer einfach. Immerhin wurde vor einigen Jahren der Personenkreis derjenigen erweitert, die im Ehrenamt einen Schutz genießen. Nach §2 des Sozialgesetzbuches VII gehören dazu

  • Ehrenamtliche in Rettungsunternehmen, in öffentlich-rechtlichen Einrichtungen, deren Verbänden oder Arbeitsgemeinschaften sowie in öffentlich-rechtlichen Religionsgemeinschaften.

  • Ehrenamtliche im Bildungswesen, im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege, in landwirtschaftsfördernden Einrichtungen und Berufsverbänden der Landwirtschaft.

  • Ehrenamtliche, die wie Beschäftigte tätig sind - zum Beispiel Übungsleiter in Sportvereinen - und in privatrechtlichen Organisationen, soweit diese im Auftrag oder mit ausdrücklicher Einwilligung von Kommunen oder öffentlich-rechtlichen Religionsgemeinschaften und deren Einrichtungen handeln.

Damit Sie im Ehrenamt versichert sind, ist es wichtig, dass Sie Ihr Ehrenamt im Auftrag oder mit Einwilligung einer der genannten Einrichtungen ausüben. Wer zum Beispiel auf eigene Initiative Müll im Park aufsammelt, genießt keinen Versicherungsschutz. Der Schutz erstreckt sich auf die ehrenamtliche Tätigkeit selbst, aber auch auf den Weg von zu Hause dorthin und wieder zurück.

Ergänzend gibt es über Dachverbände ggf. Zusatzversicherungen. So sind die Mitglieder der Landessportbünde in Bremen und Niedersachsen über die sogenannte Sportversicherung ergänzend abgesichert.

Das gilt bei Schäden mit Dritten

Auch die Haftung von Ehrenamtlichen gegenüber Dritten hängt vom Einzelfall ab. Denn Schäden aus Unachtsamkeit können schnell sehr teuer werden. Die eigene Haftpflicht-Versicherung greift auch bei einer nicht verantwortlichen ehrenamtlichen Tätigkeit oder Freiwilligenarbeit. Üben Sie in einem Verein oder einer Organisation jedoch eine verantwortliche Tätigkeit aus, deckt die Privathaftpflichtversicherung Schäden aus dieser Tätigkeit nicht ab. Für leitende Personen, beispielsweise die Vorstandsmitglieder, empfiehlt sich daher eine Vermögensschaden-Haftpflicht durch den Verein.

Gerne stehen Ihnen unsere Versicherungsspezialisten zur Verfügung, um gemeinsam mit Ihnen zu prüfen, ob Ihr Engagement auch versicherungstechnisch ausreichend abgedeckt ist.

Die steuerliche Betrachtung

Im Steuerrecht werden verschiedene Einkommensarten unterschieden, die unter bestimmten Voraussetzungen steuerfrei bleiben.

Ehrenamtspauschale

Unter diesem sehr weit gefassten Begriff können Sie bis zu 720 € im Jahr steuerfrei vereinnahmen. Hierzu sind bestimmte steuerrelevante Voraussetzungen an das Ehrenamt zu erfüllen. Wichtig zu wissen: Soll diese Pauschale an Vorstandsmitglieder gewährt werden, muss die Zahlung in der Satzung verankert sein! Ansonsten wäre eine Zahlung unzulässig.

Übungsleiterpauschale

Bei Übungsleitern, Ausbildern, Erziehern, Betreuern, einer künstlerischen Tätigkeit oder einer nebenberuflichen Pflege alter, kranker oder behinderter Menschen dürfen bis zu 2.400 € p.a. steuerfrei vereinnahmt werden.

Auslagenersatz

Sofern Sie für Ihre Einrichtung Geld verauslagt haben, können Sie sich dieses Geld ohne Anrechnung auf Freibeträge vergüten lassen. Aber Vorsicht: Das Finanzamt prüft hier stichprobenartig auch den tatsächlichen Geldfluss.

Fazit

Ehrenamt ist und bleibt ein wertvoller Bestandteil unserer Gesellschaft. Diese Tatsache wird vom Staat gefördert und ist gesetzlich in vielen Fällen geschützt. Aber es gibt auch Fallstricke, die es zu beachten gilt.

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