Vermögensnachfolge

Familienfrieden

„Kaum sind die Toten unterm Boden, schon fangen Erben an zu roden“ oder: wie Sie den Familienfrieden erhalten, wenn Sie vererben.

Früher oder später sollten wir uns alle mit dem Thema Erben und Vererben beschäftigen. Sie denken: „Ich hab ja eh nichts zu vererben.“ oder „Mein Partner erbt doch sowieso alles.“ Leider ist es damit nicht getan! Egal, ob Sie über wenig Vermögen verfügen oder verheiratet  sind – Streit entsteht schon häufig durch Kleinigkeiten. Das größte Streitpotential gibt es beim Erben meist bei den kleinsten Dingen, wie zum Beispiel dem Familienschmuck oder anderen Sachen, die über Generationen weitergegeben wurden. In der Beratung stellt Michael Lürßen als Spezialist für Generationenmanagement fest, dass es nirgendwo so viel Halbwissen und gleichzeitig Beratungsbedarf gibt, wie beim Thema Erben.

Wenn es ums Erbe geht, ist es mit der Pietät schnell vorbei. „Manche Kinder aus vermögenden Familien scheinen ihre Tage vor allem damit zu verbringen, auf die Erbschaft zu warten“, bemerkt Michael Lürßen. Wenn es dann soweit ist, geht der Ärger los. Bei jeder sechsten Erbschaft in Deutschland kommt es zum Streit. Das hat eine repräsentative Studie der Postbank ergeben. „Je größer der Nachlass, desto mehr wird gestritten“, sagt Lürßen. Übersteigt der Wert des Nachlasses die Summe von 100.000 Euro, kommt es in jedem vierten Fall zu Streit. „Bei größeren Vermögen – so schätzt Lürßen – sogar bei jedem zweiten Fall“.

Die Zahl der reichen Erben nimmt seit Jahren zu. Mehr als 800.000 Millionäre gibt es in Deutschland und mehr als 100 Milliardäre. Insgesamt liegt das jährlich vererbte Vermögen in Deutschland laut Postbank bei 233 Milliarden Euro, zehn Milliarden mehr als noch im Vorjahr. Im Jahr 2020 dürfte die vererbte Summe bei 330 Milliarden Euro liegen.

Wenn nach dem letzten Willen die Fetzen fliegen, kostet das viel Geld. Die Kosten für Anwälte, Gerichte, Steuern sowie Notare, Gutachter und Grundbuchämter können bei großen Nachlässen schnell im sechsstelligen Bereich liegen. Nicht nur bei gerichtlichen Auseinandersetzungen gefährdet Uneinigkeit das Erbe. Die wenigsten Vermögen sind liquide. Besteht ein Begünstigter auf schnelle Auszahlung, müssen Wertpapiere, Kunstsammlungen und Immobilien kurzfristig und weit unter Marktwert verkauft werden. Dann steht nicht nur das Lebenswerk zur Disposition – sondern der Wohlstand der nachfolgenden Generationen.

Trotzdem nehmen viele Erblasser ihrem letzten Willen nicht so genau. Jeder Dritte hat nach einer Umfrage das Thema Erbschaft noch nie in der Familie angesprochen. Und jeder Fünfte befürchtet in seiner Familie einen Streit ums Erbe. Häufig hat der letzte Willen auch dann Bestand, wenn er eigentlich gar nicht so gemeint war. So hat das beliebte Berliner Testament für Vermögende seine Tücken. Das zeigt das fiktive Beispiel einer älteren Dame, die seit drei Jahren verwitwet ist.

Beispiel: Vor zwanzig Jahren hat das Ehepaar von den Eltern des Mannes umgerechnet 800.000 Euro geerbt, ihre drei Kinder bekamen jeweils 50.000 Euro von ihren Großeltern. Das nun vermögende Ehepaar regelte seinen Nachlass mit einem Berliner Testament. Damit setzten sie sich gegenseitig als Alleinerben ein, die Kinder erben erst, wenn beide Elternteile verstorben sind. Allerdings soll jedes Kind ein Vermächtnis in Höhe von 100.000 Euro bekommen, wenn der erste Elternteil stirbt.

Das passierte vor drei Jahren. Die Witwe bekam das gesamte Vermögen (Haus samt Schwimmbad, eine Gemäldesammlung sowie ein Wertpapierdepot) und musste die Vermächtnisse an die Kinder auszahlen. Ein warmer Regen für die beiden Töchter und den Sohn, die nicht oder nur gelegentlich arbeiten und ständig Geldsorgen haben. Berufserben eben. Obwohl der Witwe als Alleinerbin nun das gesamte Vermögen gehört, kann sie nicht darüber entscheiden, wie das Vermögen bei Ihrem Tod verteilt wird,  denn sie ist an das gemeinsame Berliner Testament gebunden. Nun hat sie Angst, dass die Kinder, die von den Eheleuten als Erben im zweiten Erbgang eingesetzt wurden, das gesamte Vermögen nach ihrem Tod verprassen. Diese Erbeinsetzung kann die Witwe nur ändern, wenn im Berliner Testament ein entsprechender Passus eine sog. Änderungsbefugnis aufgenommen oder die Bindungswirkung ausdrücklich aufgehoben wurde.


Wie hätte das Testament aussehen müssen, um die Bedenken der Witwe zu berücksichtigen? „Die gegenseitige Einsetzung zu Alleinerben im ersten Erbgang ist sinnvoll, zumal wie hier ergänzt um Vermächtnisse zugunsten der Kinder. Werden die Vermächtnisse mindestens in Höhe der gesetzlichen Pflichtteile ausgesetzt, verhindert dies, dass nichtbedachte Kinder ihren Pflichtteil fordern können, der sofort und in bar fällig ist“, so Lürßen. Im zweiten Erbgang und für den Fall des gleichzeitigen Versterbens würden die Kinder dann je zu einem Drittel erben. „Eine Möglichkeit, die Verfügung über das Erbe einzuschränken, besteht in der Einsetzung eines Testamentsvollstreckers bis zum Erreichen eines bestimmten Lebensalters oder für einen festen Zeitraum.  „Die Kinder würden dann nicht über das geerbte Vermögen verfügen können, sondern vom Testamentsvollstrecker monatliche Zahlungen für eine angemessene Lebenshaltung erhalten.“, meint der Erbrechtsexperte.  Allerdings gibt Lürßen zu Bedenken, dass die Einsetzung eines Testamentsvollstreckers als Auflage gewertet wird, die es den Kindern ermöglicht das Erbe auszuschlagen und ihren Pflichtteil zu fordern. Das wäre dann zwar nur die Hälfte des Erbes, allerdings sofort verfügbar und ohne Testamentsvollstreckung.


Eigentlich – so Lürßen - ist es relativ leicht, den Familienfrieden zu erhalten, wenn Sie sich folgende Punkte bewusst machen:

  • Sprechen Sie frühzeitig mit ihrer ganzen Familie über Ihre Vorstellungen, wer was später bekommen soll.
  • Begründen Sie dies aus Ihrer Sicht.
  • Stimmen Sie sich dabei mit Ihrem Partner – sofern vorhanden – ab.
  • Erstellen Sie kein Testament, indem Sie im Internet recherchieren – dafür ist das Thema zu komplex!
  • Wenn Sie in 2. oder 3. Ehe verheiratet sind: berücksichtigen Sie auch Kinder aus den früheren Ehen und überlegen Sie, wer zuerst erbt und welche Auswirkungen dies haben kann.
  • Was soll passieren, wenn Sie jemanden als Erben einsetzen und dieser potentielle Erbe vor Ihnen verstirbt?
  • Testamentserstellung ist nicht nur etwas für ältere Menschen – gerade jüngere Ehepaare brauchen eine Nachlassverfügung, weil möglicherweise minderjährige Kinder erben.
  • Wenn minderjährige Kinder erben könnten, sollten Sie überlegen, einen Testamentsvollstrecker für die Kinder testamentarisch zu benennen, weil Sie im Erbfall sonst für jede Entscheidung über die Erbmasse einen Ergänzungspfleger des Betreuungsgerichts benötigen (sehr umständlich!).
  • Eine Testamentsvollstreckung sollte bis zum 25. oder 27. Lebensjahr der Kinder angeordnet werden, weil häufig dann erst die menschliche Reife gegeben ist, um mit Vermögenswerten umzugehen...
  • ... oder – wie im oben dargestellten Fall – bei erwachsenen Kindern, die nicht mit Geld umgehen können, so lange wie möglich vereinbart werden. Der Gesetzgeber sieht eine maximale Dauer von 30 Jahren vor.
  • Haben Sie unternehmerisches Vermögen, also einen Anteil an einem Unternehmen – oder gehört Ihnen sogar eine Firma? Dann sollten Sie unbedingt das Testament und den Gesellschaftervertrag aufeinander abstimmen, denn im Zweifel geht der Gesellschaftsvertrag vor und es kann zu nicht gewollten Konsequenzen kommen.
  • Zu guter Letzt: Denken Sie an Vollmachten und Patientenverfügungen – damit Ihre Angehörigen handlungsfähig sind!


Die aufgeführten Punkte sind nur einige der zahlreichen Aspekte, die wichtig für Ihre Nachfolgeüberlegungen sind. Sinnvollerweise lassen Sie sich dabei von uns begleiten. Wir binden einen auf Erbrecht spezialisierten Anwalt aus unserem Netzwerk ein, der  für Sie ein individuelles und stimmiges Testament erarbeitet.

Unsere Spezialisten freuen sich auf Sie

Vereinbaren Sie jetzt einen Gesprächstermin!

War dieser Artikel hilfreich?