Vermögensnachfolge

Erben und Vererben in der Patchworkfamilie

In einer Patchworkfamilie zu leben, ist heute an der Tagesordnung. Aus der unterschiedlichen rechtlichen Stellung der Kinder zu den beiden Patchwork-Elternteilen ergeben sich dabei Besonderheiten. Dazu zunächst einige grundlegende Informationen, die für das Verständnis der Besonderheiten innerhalb der Patchworkfamilie unerlässlich sind:

  • Das deutsche Erbrecht unterscheidet nicht zwischen ehelichen und unehelichen Kindern. Ein leibliches Kind ist immer erbberechtigt, egal ob ehelich oder unehelich.
  • Stiefkinder sind nicht erbberechtigt.
  • Die Kinder des Partners gelten nur dann als Stiefkinder, wenn es sich bei dem Partner um den Ehepartner handelt. Leben die Patchworkeltern also ohne Trauschein zusammen, existieren rein rechtlich keine Stiefkinder, was wiederum für das Thema der Erbschaftsteuer von Belang ist (siehe unten).

Zur Erläuterung ein Beispiel für eine Patchworkfamilie:

Gesetzliche Erben von Herrn Muster sind neben seiner Ehefrau seine zwei leiblichen Kinder, der Sohn aus 1. Ehe und die gemeinsame Tochter. Gesetzliche Erben von Frau Muster sind neben Herrn Muster ihre leiblichen Kinder, die Tochter aus 1. Ehe und die gemeinsame Tochter. Die jeweiligen Stiefkinder werden im Rahmen der gesetzlichen Erbfolge also nicht berücksichtigt! Sollen Stiefkinder berücksichtigt werden, muss dies im Rahmen einer letztwilligen Verfügung (Testament) geregelt werden.

Erbschaftsteuerliche Aspekte

Für die Erbschaftsteuer werden leibliche Kinder und Stiefkinder gleichbehandelt: Auch das Stiefkind hat einen persönlichen Freibetrag von EUR 400.000 und wird zur Steuerklasse I gerechnet.

Adoption

Um Stiefkinder in die gleiche rechtliche Position wie leibliche Kinder zu bringen, kann auch eine Adoption in Erwägung gezogen werden. Durch die Adoption werden Stiefkinder also zu gesetzlichen Erben, mit allen Rechten und Pflichten. Sind die Kinder bereits volljährig kann dies ohne Zustimmung des anderen Elternteils geschehen, bei Minderjährigen müssen die leiblichen Eltern zustimmen.

Würden beide die Kinder aus der jeweiligen 1. Ehe des Partners adoptieren, ergäbe sich folgende Darstellung:

Folglich sind in beiden Fällen neben dem Ehegatten alle drei Kinder gesetzliche Erben. Eine weitere Regelung im Rahmen eines Testamentes wäre – zumindest für die Berücksichtigung des jeweiligen Stiefkindes – dann nicht mehr notwendig.


Fazit

Dem Thema „Erben“ sollte in einer Patchworkfamilie erhöhte Aufmerksamkeit gewidmet werden. Bevor eine entsprechende Regelung getroffen werden kann, stellen sich folgende Fragen: 

  • Will ich meine leiblichen Kinder und Stiefkinder im Erbfall bedenken?
  • Sollen alle Kinder gleichgestellt werden?Habe ich eine entsprechende testamentarische Regelung getroffen?
  • Kann ich mir vorstellen, meine Stiefkinder zu adoptieren?

Mit den Antworten auf diese Fragen können Sie einen Fachanwalt für Erbrecht aufsuchen und sich ausführlich rechtlich beraten lassen. Der Anwalt wird für Sie auf Wunsch die entsprechenden Verträge vorbereiten und einen Entwurf für eine passende testamentarische Regelung erarbeiten.

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Andreas Maage Spezialist für Vermögensstrukturierung und Finanzplanung

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