Stiftungen

Alternative Möglichkeiten, Ihr Stiftungskapital zu erhöhen

Interviewreihe Teil 5: So können Stiftungen zusätzliche Förderer akquirieren

Viele Stiftungen erwirtschaften in der gegenwärtigen Niedrigzinsphase nicht mehr genügend Erträge, um ihrem Stiftungszweck nachgehen zu können. Welche Möglichkeiten es gibt, das Stiftungsvermögen zu erhöhen, erläutern Katrin Wördemann und Michael Lürßen, Stiftungsexperten der BLB in Teil 5 der Interviewreihe zu Fragen rund um das Thema “Stiftungen”.

Wieso ist das Niedrigzinsniveau für Stiftungen besonders schwierig?

Michael Lürßen: Das Niedrigzinsniveau ist gerade für Stiftungen eine Belastung, weil viele von ihnen im Anleihenbereich oder auch in Tages- oder Termingeldern angelegt haben. Die Laufzeiten der Anleihen gehen nun zu Ende und damit fallen die hohen Zinsen weg. Viele Stiftungen sagen jetzt: „Das, was wir bisher getan haben, um unsere Projekte zu fördern, können wir eigentlich nicht mehr leisten.“

Katrin Wördemann: Schon seit 2008 sind die Zinsen ja stetig gefallen, da war es aber noch nicht so entscheidend. Mittlerweile ist das Problem aber wirklich dringend, weil die Zinsen ja komplett wegfallen, sodass immer mehr Stiftungen und Stifter das Gespräch suchen. Als Bank prüfen wir: Welche Anlagerichtlinien hat die Stiftung? Müssen sie gegebenenfalls angepasst werden? Können sie angepasst werden? Da schauen wir, ob der Rahmen überhaupt passt und führen Gespräche: Welche Möglichkeiten gibt es überhaupt?

Was raten Sie Stiftungen derzeit zuerst?

Katrin Wördemann: Wichtig ist wie bei jeder Anlage eine Diversifikation der Assets. Wenn die Satzung bzw. die Anlagerichtlinien es erlauben, können neben Anleihen und Termingeldern auch andere Anlageformen gewählt werden. Das kann dabei durchaus risikobewusst geschehen.

Müssen Stiftungen nicht generell in sichere Anlagen investieren?

Michael Lürßen: Grundsätzlich kann in ein Stiftungsvermögen jede Form der Anlage eingebracht werden, da gibt es keine Vorgaben. Es können Immobilien, vermietete Objekte, Wertpapierdepots eingebracht werden, eben alles, was der Stifter besitzt. Es gibt auch Stiftungen, die zu hundert Prozent in Aktien investieren. Wenn die Anlagerichtlinien entsprechend formuliert sind, ist das kein Problem. Der Stiftungsvorstand muss allerdings sehr gewissenhaft sein und sein Vorgehen dokumentieren, denn er haftet bei Verlusten. Außerdem ist die oberste Prämisse in den jeweiligen Ländergesetzen des Stiftungsrechtes, dass das Stiftungskapital erhalten werden muss.

Welche anderen Möglichkeiten sehen Sie, um das Stiftungsvermögen zu erhöhen?

Michael Lürßen: Für Stiftungen läuft die Ertragsgenerierung nicht mehr automatisch. Vorstände müssen aktiv werden und nach neuen Wegen suchen. Alle Stiftungen können beispielsweise ein Fundraising durchführen. Viele Menschen sind bereit, für einen bestimmten Zweck zu spenden. So bekommen Stiftungen Gelder, die sie dann zeitnah verwenden können. Spenden helfen der Stiftung, ihr Stiftungsziel zu verfolgen. Der Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche ist ein gutes Beispiel dafür. Dort wurden durch eine Bank symbolisch Steine verkauft. So konnte eine große Zahl von Unterstützern am Aufbau der Frauenkirche teilhaben. Damals wurde auch die Stiftung Dresdner Frauenkirche gegründet. Eine Möglichkeit, das Stiftungskapital zu erhöhen, sind Zustiftungen. Genau wie Spenden sind dies direkte Zuwendungen Dritter, die aber in diesem Falle den Kapitalstock der Stiftung erhöhen. Das Zustiftungskapital muss genauso wie das eigentliche Stiftungskapital erhalten bleiben. Menschen, die vielleicht selbst nicht über genügend Kapital verfügen, um eine eigene Stiftung ins Leben zu rufen, sind unter Umständen für eine Zustiftung offen.

Katrin Wördemann: Viele Kunden denken am Anfang, Spenden und Zustiftungen seien das Gleiche: Man gibt einer Organisation Geld für ihre Projekte. Doch es gibt Unterschiede im Hinblick darauf, ob die Gelder ausgegeben werden müssen oder erhalten bleiben. Alleine das zu klären ist sehr wichtig – denn Kunden sollten die Möglichkeiten kennen.

"Stiftungen, die ihre Öffentlichkeitsarbeit verstärken, werden sichtbarer und können dadurch mehr Mittel einwerben – etwa über Fundraising oder Zustiftungen"
- Katrin Wördemann

Michael Lürßen: Wenn die Stiftung besonders finanzschwach ist, kann der Vorstand überlegen, zwei Stiftungen, die einen ähnlichen Zweck verfolgen, zusammenzulegen. Eine Zusammenlegung ist eine wesentlich schonendere Form als eine Auflösung. Dennoch sollte sie der letzte Ausweg sein. Vorher kann man noch viel tun. Beispielsweise kann die Öffentlichkeitsarbeit intensiviert werden. Es gibt unterschiedliche Aktivitäten, wie man das realisieren kann. Besonders bei Bürgerstiftungen gibt es sehr schöne Beispiele dafür. Die Oldenburgische Bürgerstiftung veranstaltet beispielsweise einmal jährlich ein Fest, bei dem sich Bürger oder Firmen einen Tisch mieten können. Da wird dann zusammen gefeiert und es kommt zu einem regen Austausch zwischen den Stiftern. Doch es gibt auch andere Stiftungen, die sehr viel Öffentlichkeitsarbeit machen. Plan ist beispielsweise eine große Stiftung, die in Innenstädten mit Aufstellern wirbt oder an Straßenbahnhaltestellen Werbung macht. Die Stiftung bewegt einiges und auch die Mitarbeiter investieren persönlich und sind vor Ort aktiv. Dadurch haben sie Erfolg und werben eine Menge Gelder ein. Aber auch kleinere Stiftungen wie die in Bremer Stadtteilstiftung Hemelingen machen gute Öffentlichkeitsarbeit.

Katrin Wördemann: Es gibt inzwischen auch Online-Plattformen, auf denen sich Stiftungen präsentieren können und auf denen es dann sehr einfach ist, fünf oder zehn Euro zu spenden. Der digitale Weg wird sicherlich noch größer werden. So haben Stiftungen verschiedene Wege, die ihnen zu größerer Bekanntheit und damit zu größeren Zuwendungen verhelfen können. Auf diese Weise kann das verfügbare Kapital vergrößert werden und Stiftungen können ihre Projekte weiterhin fördern.

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Wördemann und Herr Lürßen!

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