Stiftungen

Welche Verantwortung trägt ein Stiftungsvorstand?

Interviewreihe Teil 4: Um eine Stiftung dauerhaft zu führen, muss der Vorstand seine vielfältigen Aufgaben engagiert wahrnehmen.

veröffentlicht am 14.03.2016 |  
Wolfgang Duwe

Wolfgang Duwe

Berater Private Banking

Der Vorstand einer Stiftung trägt eine große Verantwortung – angefangen bei der Gründung und später in der laufenden Geschäftsführung. Die Vermögensverwaltung führt den Stiftungsvorstand nicht selten in die persönliche Haftung. Auch der administrative Aufwand der Stiftungsarbeit ist nicht zu unterschätzen. Katrin Wördemann, Kundenberaterin im Private Banking und Michael Lürßen, Experte für Nachfolgeberatung und Generationenmanagement der BLB, schildern in Teil vier unserer Interviewreihe, welche Herausforderungen ein Stiftungsvorstand meistern muss.

Frau Wördemann, Herr Lürßen, welche Aufgaben hat ein Stiftungsvorstand?

Katrin Wördemann: Der Vorstand ist für die Vermögensverwaltung des Stiftungskapitals verantwortlich. Er muss dieses Vermögen dauerhaft erhalten und darf nur die Erträge für den Stiftungszweck, die Kosten und Rücklagen einsetzen. Der Vorstand muss daher den Überblick über die Höhe des Stiftungskapital bewahren und dafür sorgen, dass die Stiftungsgelder verantwortungsvoll angelegt werden. Der Vorstand muss die Erträge im Sinne des Stiftungszwecks einsetzen – dieser Zweck ist in der Stiftungssatzung festgeschrieben. Immer wieder wird auch für besondere Projekte ein Antrag auf Unterstützung eingereicht. Der Vorstand entscheidet darüber, wie die Gelder auf die verschiedenen Projekte verteilt werden.

Welche Herausforderungen bringt die Verantwortung mit sich?

Michael Lürßen: Das gegenwärtige Niedrigzinsniveau betrifft natürlich auch Stiftungen. Es gibt zurzeit einen sehr großen Beratungsbedarf  – auch für bereits bestehende Stiftungen, denn die Renditen sinken, und Stiftungen müssen höhere Risiken eingehen, um Erträge zu erwirtschaften.

Katrin Wördemann: Nicht jede Stiftungssatzung verfügt über Anlagerichtlinien. Ohne vorgegebene Strategie entscheidet der Vorstand frei über die Anlage der Stiftungsgelder. Doch der Vorstand als Vertreter der Stiftung haftet letztlich auch persönlich für eventuelle Kapitalverluste – ein großes Risiko. 

Wie können sich Stiftungen vor Haftungsrisiken schützen?

Michael Lürßen: Eine gewissenhafte Buchhaltung ist das A und O. Angenommen eine Stiftung hat in Aktien investiert, und das Stiftungsvermögen verliert durch einen Aktiencrash an Wert: Dann muss der Vorstand Konzepte entwickeln, um die Verluste kurz- bis mittelfristig zu kompensieren. Diese Strategien müssen mit der Stiftungsaufsicht besprochen werden, um dem schlimmsten Fall – dem Verlust der Gemeinnützigkeit der Stiftung – vorzubeugen. Die Stiftung kann auch Rücklagen auflösen, die sie in der Vergangenheit gebildet hat. Eine weitere Möglichkeit, den Verlust auszugleichen, besteht darin, vorsorglich einen Teil der Dividenden oder Teilzinserträge zurück zu legen. Der Vorstand haftet in jedem Fall persönlich, wenn er nichts unternimmt – im Ernstfall auch mit seinem Privatvermögen. Der Vorstand kann die Haftungsrisiken beschränken, indem er sich über eine sogenannte D&O-Versicherung absichert, eine Haftpflichtversicherung für Vermögensschäden. Wir beraten unsere Kunden gern, welche Optionen Stiftungen haben, unter den gegebenen Bedingungen zu wirtschaften.

Woran müssen Stiftungsvorstände noch denken? 

Michael Lürßen: Das Thema Nachfolge im Stiftungsvorstand beschäftigt viele Stifter und auch Vorstände selbstständiger Stiftungen. Ältere Stifter haben oftmals keinen ausgedehnten Bekanntenkreis mehr, aus dem sie einen Vorstand ihrer Wahl berufen können. Das kann zur Folge haben, dass später eventuell jemand den Vorstand übernimmt, der überhaupt keinen Bezug mehr zum Willen des Stifters hat. Ein Beispiel: In dritter Generation der Stiftung führt ein Freund der Familie den Vorstand. Er investiert unüberlegt in verschiedene Anleihen und bewirkt damit einen Kapitalverlust – der Stifter würde sich im Grabe umdrehen, wenn er das wüsste. Um dem Willen des Stifters zu entsprechen, sollte deshalb in der Satzung festgeschrieben sein, wer als Nachfolger für den Vorstand in Frage kommt. Wir als Bank geben gern Empfehlungen, welche Aspekte in der Stiftungssatzung enthalten sein sollten.

Welche administrativen Aufgaben hat ein Stiftungsvorstand?

Michael Lürßen: Einmal im Jahr muss der Vorstand eine Versammlung einberufen, um unterschiedlichste Beschlüsse zu fassen. Die wichtigste Frage ist dabei gewöhnlich, wofür die Erträge verwendet werden sollen. Ein Stiftungsvorstand darf ein Drittel der Erträge für gesetzliche Rücklagen einstellen. Auch separate Projektrücklagen sind möglich, wenn beispielsweise ein Projekt über mehrere Jahre läuft. Dabei muss der Vorstand darauf achten, dass die Kostenquote nicht zu hoch ausfällt – das Verhältnis von Verwaltungskosten und erwirtschafteten Erträgen darf nicht überstrapaziert werden.

Wichtige Entscheidungen muss der Vorstand außerdem immer mit dem Kontrollgremium abstimmen, sofern es eines gibt. Dazu kommen die Wiederwahlen und Neuwahlen, wenn eine Person aus dem Vorstand ausscheidet.

Natürlich gehört auch die Buchhaltung zu den Aufgaben des Stiftungsvorstandes. Der Vorstand muss den Jahresabschluss erstellen und jede Zahlung verbuchen. Daneben muss er zum Beispiel auch dafür Sorge tragen, dass alle Zuwendungsbestätigungen bei der Stiftung eingehen – jeder Geldbetrag, den die Stiftung an eine Gesellschaft oder einen Verein ausschüttet, muss vom Empfänger mit einer Unterschrift bestätigt werden.

Viel Verantwortung für Stifter ohne betriebswirtschaftliche Erfahrung. Haben Ihre Kunden Interesse an einem Vorstandsposten?

Michael Lürßen: Das ist sehr unterschiedlich. Im Wesentlichen erleben wir aber zwei Fälle: Viele Kunden möchten zu Lebzeiten selbst den Vorsitz ihrer Stiftung übernehmen. Andere Stifter lehnen den Vorsitz von vornherein ab. Sie fühlen sich der administrativen Arbeit nicht mehr gewachsen oder wollen aus anderen Gründen kein Vorstandsamt übernehmen. 

Katrin Wördemann: Entscheidend ist oft, welche Kenntnisse die Stifter selbst in Finanzdingen mitbringen. Für einige Kunden spielt es auch eine Rolle, ob sie eine Person in den Vorstand oder Beirat berufen können, die sie dort unterstützt. Es gibt aber auch Kunden, die sagen: „Eigentlich möchte ich nur den Zweck erfüllen. Ich möchte etwas Gutes tun, habe aber kein Interesse an einem Vorstandsposten“. Bei der Suche nach der geeigneten Unterstützung beraten wir unsere Kunden gern.

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Wördemann und Herr Lürßen!

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