Stiftungen

Wie Sie Ihr Stiftungsvermögen trotz Niedrigzinsen sichern

Interviewreihe Teil 3: Stiftungen müssen ihre Ertragslage verbessern, um handlungsfähig zu bleiben.

Das Kapital einer Stiftung muss dauerhaft erhalten werden, nur die Erträge können für die Umsetzung der Stiftungszwecke eingesetzt werden. Entsprechend haben Stiftungen in der Vergangenheit eine eher konservative Anlagestrategie verfolgt. Unter gegenwärtigen Niedrigzinsbedingungen ist die Lage für viele Stiftungen kritisch. In Teil drei der Interviewreihe erläutern Katrin Wördemann und Michael Lürßen die Möglichkeiten zum Vermögenserhalt.

Das Thema Niedrigzinsniveau beschäftigt Anleger seit geraumer Zeit. Warum sind Stiftungen in besonderer Weise davon betroffen?

Michael Lürßen: Das ist ein Riesenthema. Es gibt Stiftungen, in deren Satzung steht, dass das Geld nur mündelsicher angelegt werden darf. 

Katrin Wördemann: Sie haben natürlich die Möglichkeit, das Geld auf dem Sparbuch zu belassen, aber dadurch bekommen sie aktuell so gut wie keine Erträge. Sie halten auf Dauer nicht einmal das reale Kapital damit, da die Inflation das Vermögen abschmelzt. Sie können keine Ausschüttungen leisten  – genau das aber ist der Sinn der Stiftung.

Michael Lürßen: Wenn ich null Prozent Erträge habe, aber ein Prozent Kosten, dann funktioniert das nicht. Dann kann ich den Stiftungszweck nicht erfüllen. Also muss ich überlegen, wie ich daran etwas ändern kann. Kann die Satzung geändert werden? Kann ich die Anlage diversifizieren? Letztendlich geht es um realen Kapitalerhalt neben der Frage: Wie schaffe ich es eigentlich, die erforderlichen Ausschüttungen zu bekommen? Die Rechnung ist ja folgendermaßen: Ich muss die Inflationsrate, Kosten und gegebenenfalls Rücklagen verdienen und dann noch etwas zum Ausschütten haben. Vielleicht habe ich auch noch Aufwendungen für Ehrenamtliche, Fahrtkosten und Ähnliches. Also müsste ich etwa 4-5 Prozent Erträge haben, um noch etwas ausschütten zu können. Das ist derzeit mit der Anlage in Anleihen und Termingelder nicht zu schaffen.

Wenn ich null Prozent Erträge habe, aber ein Prozent Kosten – dann funktioniert es nicht.
- Michael Lürßen

Welche Möglichkeiten haben Stiftungen, auf die Lage zu reagieren?

Michael Lürßen: Bei der BLB schauen wir uns die Satzung erst einmal daraufhin an, ob die Stiftung Anlagerichtlinien hat. Wenn es keine Einschränkungen gibt, keine Strategie vorgegeben ist, kann der Stiftungsvorstand im Prinzip frei entscheiden. Wir gehen wirklich ins Gespräch: Welche Möglichkeiten hat die Stiftung, einen gewissen Inflationsschutz aufzubauen und Erträge unter den gegenwärtigen Bedingungen zu erwirtschaften? Wir betrachten das immer unter dem Aspekt, dass die Risiken nicht zu hoch werden dürfen. Ist es möglich, andere Anlagen beizumischen, und beispielsweise statt Sparbuch oder Pfandbriefen auch Unternehmensanleihen oder Aktien mit zu berücksichtigen? Es kann auch einmal sinnvoll sein, in Immobilien oder Immobilienfonds zu investieren, weil Immobilienrenditen im Moment höher sind als viele Anleihen.

Katrin Wördemann: Dies ist auch im Interesse des Vorstands. Der Vorstand muss nämlich Rechenschaft ablegen: Warum wurde welche Entscheidung getroffen? Wenn er sich auf eine einzige Anlage konzentriert hat, ist das natürlich schwer zu begründen. Wichtig ist daher immer eine breite Streuung der Investments, um auch die Risiken zu minimieren.

Kann man die Anlagerichtlinien der Stiftung auch ändern?

Katrin Wördemann: Die Satzung, die einmal festgelegt ist, kann nicht beliebig nach 10 oder 100 Jahren geändert werden – es sei denn, es ist darin vorgesehen. Wenn der Stifter, der damals gegründet hat, nicht mehr lebt und dies nicht vorgesehen hat, dann ist die Satzung wie in Stein gemeißelt und muss immer vorgeführt werden. 

Wenn Stiftungen ihre Satzungsziele und Anlagerichtlinien breit fächern, ist es bei niedrigem Zinsniveau leichter, Erträge zu erwirtschaften.

Michael Lürßen: Manchmal ist eine Situation jedoch sehr schwierig für eine Stiftung, weil sie die Kosten überhaupt nicht mehr durch die Erträge decken können. Aktuell hat eine Stiftung, die wir betreuen, Probleme damit, dass eine ihrer Immobilien, die jahrelang hohe Mieterträge abgeworfen hat, verkauft werden muss: Der Mieter hat in diesem Fall ein Vorkaufsrecht. Mit Verkauf an den Mieter hat die Stiftung statt regelmäßiger Einkünfte einen hohen Betrag, den sie sicher anlegen muss – bei niedrigsten Zinsen. Parallel schreibt die Satzung dieser Stiftung vor, dass das liquide Kapital mündelsicher angelegt werden muss. In solchen Fällen suchen wir das Gespräch mit der Stiftungsaufsicht. Wir legen dar, dass man eben nur bestimmte Risiken eingeht, andere wiederum nicht. Wir zeigen, dass etwa ein Risikocontrolling existiert, um der Stiftungsaufsicht klarzumachen: Es geht aus aktuellen Gesichtspunkten nicht, dass diese Stiftung mit den aktuellen Restriktionen weiterläuft, es müssen Änderungen vorgenommen werden. In diesem Fall konnten wir für die Stiftung ein gutes Ergebnis erreichen. Es ist deshalb sehr wichtig für den Stiftungsvorstand, alle Aktivitäten zu dokumentieren und uns frühzeitig einzuschalten.

Wir weisen deshalb bei Beratungen für Stiftungen, die neu gegründet werden sollen, darauf hin, dass die Satzungsziele und Anlagerichtlinien breit gefächert sein sollten. Dann ist es auch in Phasen mit niedrigem Zinsniveau leichter möglich, Erträge zu erwirtschaften, mit denen die Stiftung ihre Ziele verwirklichen kann.

Frau Wördemann und Herr Lürßen, vielen Dank für das Gespräch.

Unsere Spezialisten freuen sich auf Sie

Vereinbaren Sie jetzt einen Gesprächstermin!

War dieser Artikel hilfreich?