Sozialimmobilien

Wie können wir Arbeit und Pflege vereinbaren?

Eine repräsentative Umfrage des Fraunhofer Instituts ermittelt die Bedürfnisse von Arbeitnehmern

veröffentlicht am 30.01.2016 |  
Detlev Döding

Detlev Döding

Leiter Sozialimmobilien

Tags: #Sozialimmobilien

Die BLB ist seit Jahren Kooperationspartner bei Forschungsvorhaben des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation bei diversen Forschungsprojekten. Die aktuelle Umfrage beschäftigt sich mit dem Thema, wie sich Arbeit und Pflege vereinbaren lassen. Im Gespräch erläutern Detlev Döding, Sven Spiekermann und Petra Gaugisch das Ziel der aktuellen Umfrage.

Wie ist die Zusammenarbeit der BLB mit dem Fraunhofer Institut entstanden?

Detlev Döding: Die BLB finanziert seit vielen Jahren den Bau von Sozialimmobilien und hier vor allem von Pflegeeinrichtungen für ältere Menschen. Im Jahre 2007 haben wir an der Altenpflege Messe teilgenommen und wurden von Mitarbeitern des Fraunhofer Instituts zur Zusammenarbeit eingeladen. Das Projekt damals hieß „Pflege 2020” und hat untersucht, wie sich die Pflegelandschaft bis zum Jahr 2020 wandeln wird. Die Zusammensetzung der Teilnehmergruppe wechselte dabei im Zeitablauf immer wieder. Unter ihnen sind große Konzerne, die darüber nachdenken, welche Arbeitsbedingungen sie ihren Angestellten bieten können, damit sie Arbeit und Pflege, also Arbeits- und Privatleben miteinander vereinbaren können.

Aber auch Bauträger, Projektentwickler und Betreiber sind dabei. 

Weshalb engagiert sich die BLB auf diesem Gebiet?

Arbeitnehmer finden es zunehmend wichtig, bei einem familienfreundlichen Unternehmen beschäftigt zu sein.
- Petra Gaugisch

Sven Spiekermann: Einerseits betrifft auch uns das aktuelle Thema „Arbeit und Pflege“ als Arbeitgeber ganz direkt: Hierzulande spüren mittlerweile alle Unternehmen einen Fachkräftemangel. Da ist es entscheidend, gut qualifizierte Mitarbeiter anzuwerben und vor allem zu halten.

Detlev Döding: Die Forschungsgebiete decken außerdem generell die Themen unserer Kunden ab. Die BLB ist bundesweit einer der führenden Anbieter für die Finanzierung von Senioren- und Pflegeheimen. Wir gewinnen durch die Forschungsergebnisse ein besseres Verständnis der Branche und ihrer Entwicklung. Wir unterstützen deswegen ein Forschungsprojekt, dessen Ergebnisse wissenschaftlich belastbar sind.

Worum geht es im aktuellen Forschungsprojekt?

Petra Gaugisch: Auch beim aktuellen Forschungsthema geht es um die Versorgungssituation älterer Menschen. Da spielen pflegende Angehörige eine große Rolle. Nicht jeder hat Kinder – aber jeder hat Eltern. Ältere Menschen möchten so lange wie möglich selbstbestimmt zu Hause leben. Das geht jedoch nur, wenn entsprechende Dienstleistungen angeboten werden und Angehörige die Möglichkeit haben, sich zu kümmern. Oft ist es auch der Partner, der gepflegt wird, manchmal sind es die Kinder.

Angehörige möchten sich vielfach gern einbringen, dies ist bei Berufstätigen aber oft nicht ohne weiteres zu leisten. Gerade Frauen geraten hier erneut in die Teilzeitfalle, nachdem sie für die eigenen Kinder schon beruflich zurückgesteckt haben.

Die Forschungspartner wollen untersuchen, was Arbeitnehmer sich von ihrem Arbeitgeber im Hinblick auf eine Pflegesituation wünschen. Was hilft ihnen besonders, wenn sie sich um einen Angehörigen kümmern? Es gibt eine weit verbreitete Scheu, das Thema mit Vorgesetzten und Kollegen zu besprechen. Wir möchten erfahren, wie ein Gespräch in Gang kommen kann. 

Wieso ist das Thema „Arbeit und Pflege“ so wichtig?

Petra Gaugisch: Arbeitnehmer finden es zunehmend wichtig, bei einem familienfreundlichen Unternehmen beschäftigt zu sein. Berufstätige stehen heute stark unter Druck. Die Belastungen des Arbeitslebens steigen, hinzu kommen dann familiäre Verpflichtungen. Wenn ein Familienmitglied eines Arbeitnehmers pflegebedürftig wird, hat das auch auf Arbeitgeber Auswirkungen. Sie möchten ihre Angestellten, die sie ausgebildet und eingearbeitet haben, schließlich halten und suchen nach Wegen, sie zu unterstützen.

Auch die Politik hat ein Interesse an diesem Thema, das Frauen in besonderem Maße betrifft. Einerseits ist es gewünscht, dass Frauen erwerbstätig sind. Sie sind finanziell aber oft schlechter abgesichert, weil sie aus familiären Gründen in Teilzeit arbeiten oder für eine Zeit gar nicht berufstätig sind. Dadurch haben sie große Nachteile bei ihrer Rentenversorgung. Es ist deshalb wünschenswert, dass wir hier verbesserte Bedingungen entwickeln.

Sven Spiekermann: Auch Betreiber von Pflegeeinrichtungen müssen sich auf die zukünftige Entwicklung einstellen. Sie stehen als Arbeitgeber hier vor den selben Bedingungen wie in anderen Branchen auch.

Was bewirkt ein Pflegefall konkret?

Detlev Döding: Ein Pflegefall tritt meist plötzlich ein. Von einem Tag auf den anderen steht der Arbeitnehmer dann vor der Frage, wie er berufliche und familiäre Ansprüche vereinbaren soll. Während es in der Regel so ist, dass Eltern sich um ihre Kinder nach und nach immer weniger kümmern müssen, ist es im Pflegefall genau umgekehrt: Die Ausfallzeiten nehmen zu. Außerdem führt die Lage bei Betroffenen oft zu Unkonzentriertheit, Motivationsverlust oder Unstimmigkeiten im Team. Arbeitgeber haben ein Interesse daran, diese Punkte zu verbessern.

Was kann getan werden, damit Arbeiten und Pflegen funktioniert?

Petra Gaugisch: Vor allem muss eine gesellschaftliche Diskussion begonnen werden über Pflege und Arbeit. Darüber sprechen die meisten Menschen nicht gerne. Viele Betroffene scheuen sich, bei der Arbeit von ihrer Situation zu erzählen, weil sie Angst vor einer Stigmatisierung haben und Nachteile befürchten. 

Wir sehen aber vermehrt positive Entwicklungen, beispielsweise bei Unternehmen, die eine Tagespflege  für Angehörige von Mitarbeitern organisieren. Mitarbeiter wissen dann, dass ihre pflegebedürftigen Angehörigen gut versorgt sind, während sie selbst arbeiten. Es gibt Beispiele für Kooperationen von Unternehmern mit Dienstleistern.

Welche Fragen werden in der Umfrage behandelt?

Von einem Tag auf den anderen steht der Arbeitnehmer vor der Frage, wie er berufliche und familiäre Ansprüche vereinbaren soll.
- Petra Gaugisch

Petra Gaugisch: Zunächst geht es darum, welche Rolle Angehörige bei der Pflege einnehmen würden. Wären – oder sind – sie alleine für die Unterstützung zuständig? Oder wären sie zwar hauptsächlich zuständig, würden sich aber Unterstützung suchen? Oder helfen sie nur ab und zu? Welche Arbeitszeitmodelle würden sie in Anspruch nehmen? Wie würden sie die Arbeit gerne organisieren? Dann möchten wir wissen, ob die Frage der Arbeitsvereinbarkeit dem Arbeitgeber gegenüber kommuniziert wird. 

Schließlich dreht sich ein Fragenblock um Pflegedienstleistungen: Welche Dienstleistungen würden Arbeitnehmer zur Vereinbarkeit der Pflege mit ihrer Arbeit in Anspruch nehmen? 

Die Umfrage wird deutschlandweit durchgeführt. Damit sie repräsentativ ist, sind 1.500 Rückläufe oder mehr wünschenswert. Wir können uns vorstellen, die Ergebnisse auch der Politik zu präsentieren. Denn hier geht es ja um ein gesamtgesellschaftliches Thema, das uns alle angeht und für das wir gemeinsam an Lösungen arbeiten.

Frau Gaugisch, Herr Döding, Herr Spiekermann, vielen Dank für das Gespräch!

(Dipl. Päd. Petra Gaugisch ist Projektleiterin des Forschungsprojekts „Pflege 2020“ am Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO), Stuttgart. Detlev Döding ist Gruppenleiter für den Bereich Sozialimmobilien bei der BLB. Sven Spiekermann ist stellvertretender Gruppenleiter für den Bereich Sozialimmobilien bei der BLB.)

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