Risikomanagement

Wie Sie Ihre internationalen Geschäfte ganzheitlich absichern

Wechselkurse und Ausfallrisiken im Auslandsgeschäft managen

veröffentlicht am 17.09.2015 |  
Jörg Schlichting

Jörg Schlichting

Leiter Trade Finance

Tags: #Unternehmensoptimierung

Jedes international tätige Unternehmen ist verschiedenen Risiken auf den Weltmärkten ausgesetzt: Neben dem Wechselkursrisiko müssen Importeure und Exporteure Ausfallrisiken von Lieferung und Zahlung managen. Wie das funktioniert, erzählen Jörg Schlichting, Leiter Trade Finance und Marc Müller, Auslandsfachbetreuer der BLB, im Interview.

Herr Schlichting, wie sollten Unternehmen ihren Risiken im Auslandsgeschäft begegnen? 

Jörg Schlichting: Alle Risiken, mit denen international agierende Unternehmen konfrontiert sind, müssen im Prinzip unter Würdigung sämtlicher Risiken gemanaged werden. Es ergibt zum Beispiel keinen Sinn, sich über eine Währungsabsicherung zu unterhalten ohne dabei an eine gleichzeitige Zahlungsabsicherung zu denken. Wenn ein Unternehmer beispielsweise ein Devisentermingeschäft abschließt, muss dieses häufig auch erfüllt werden und dies stellt er durch ein Zahlunsabsicherungsinstrument sicher. Unsere Mitarbeiter aus dem Bereich Trade Finance koordinieren die Außenhandelsgeschäfte unserer Kunden und konzentrieren sich dabei nicht nur auf ein bestimmtes Instrument – sie bieten unseren Kunden eine ganzheitliche Beratung und zeigen auf, dass alle Absicherungsinstrumente miteinander verknüpft werden sollten.  

Herr Müller, von welchen Risiken sprechen wir konkret beim Auslandsgeschäft?

Die Absicherungsinstrumente sollten miteinander verknüpft werden.
- Jörg Schlichting

Marc Müller: Zunächst müssen wir zwei Seiten betrachten: Der Exporteur hat das Hauptrisiko der Zahlung; er ist darauf angewiesen, dass die Zahlung für seine Dienstleistung oder Warenlieferung zu den im Vertrag festgelegten Bedingungen erfolgt. Als Importeur ist man dem Risiko ausgesetzt, dass die bestellte und eventuell schon bezahlte Ware oder Dienstleistung nicht geliefert wird. Es geht also um unterschiedliche Interessen: Der Exporteur möchte die Vorauszahlung seines Abnehmers durchsetzen, der Importeur möchte die Lieferung bevorzugt gegen eine offene Rechnung erhalten. Im internationalen Geschäft sind diese Interessen aber schwer durchsetzbar, sodass beide Seiten Kompromisse eingehen müssen.

Welche Rolle spielt in diesem Kontext Ihrer Meinung nach das geplante Freihandelsabkommen TTIP? Birgt es weitere Risiken für Unternehmer?

Jörg Schlichting: Das geplante Freihandelsabkommen ist aktuell noch sehr intransparent. Alle Welt spricht darüber, aber die tatsächlichen Rahmenbedingungen und Vorteile, die für einen Importeur oder Exporteur entstehen werden, zeichnen sich noch gar nicht ab. Man versucht den Handel zwischen Europa, den USA und Kanada zu stärken – ob das nachher wirklich der Fall sein wird, ist die Frage.

Marc Müller: Ein Risiko bei TTIP sehe ich unter anderem in der Wahrung der Rechtssicherheit: Nationale Gerichtsbarkeiten könnten durch das Freihandelsabkommen teilweise aufgehoben und durch Schiedsgerichtsverfahren ersetzt werden. Da stellt sich die Frage, wie weit diese Schiedsgerichte überhaupt entscheiden dürfen. Dürfen sie zum Beispiel einen im Handelsvertrag festgelegten Gerichtsstand aushebeln? Solche Fragen müssen geklärt werden, sonst führt die Diskussion in eine generelle Unsicherheit. 

Welche Möglichkeiten haben Ihre Kunden um Auslandsrisiken zu managen? 

Marc Müller: Für die Zahlung und Sicherung von internationalen Handelsgeschäften bieten sich dokumentäre Absicherungsinstrumente wie Inkassi, Akkreditive und Garantien an. Bei einem Dokumenteninkasso erfolgt die Aushändigung der Dokumente nur gegen Zahlung bzw. Akzeptierung einer Tratte. Das Abnahmerisiko verbleibt dennoch beim Exporteur.

Wie funktioniert ein Akkreditiv?

Jörg Schlichting: Das Akkreditivgeschäft sichert Exporteure deutlich besser ab. Die Initiative zur Eröffnung eines Akkreditivs erfolgt durch den Importeur. Dabei beauftragt der Importeur seine Bank, eine Zahlungsverpflichtung zugunsten des Exporteurs herauszulegen, innerhalb derer die Bedingungen für die Zahlung klar vorgegeben sind.

Aus meiner Sicht ist das Akkreditiv das fairste Zahlungssicherungsinstrument, weil sich die Partner im Vorwege des Geschäfts schon über die Bedingungen austauschen können. Beide Seiten haben hier eine klare Sicherheit: Der Importeur weiß, unter welchen Voraussetzungen er zahlen muss; der Exporteur weiß genau, unter welchen Voraussetzungen er die Zahlung erhält und hat ergänzend zu seinem Partner, dem Importeur, die akkreditiveröffnende Bank als Sicherheit, weil diese ein unwiderrufliches Zahlungsversprechen abgegeben hat.

Wie können sich Unternehmen davor absichern, dass ein Vertragspartner seine Verpflichtungen nicht erfüllt? 


Die BLB zeichnet sich vor allem durch Schnelligkeit aus.
- Marc Müller

Marc Müller: Dafür gibt es unter anderem die Bankgarantie – eine Verpflichtung der Bank, Zahlung zu leisten, falls eine Leistung nicht erbracht wird. Angenommen, ein Architekt wird beauftragt, in China ein Gebäude zu konzipieren. Der Auftraggeber geht in Vorauszahlung, aber der Architekt tritt seinen Job nicht an. Die Garantiebank zahlt in jedem Fall den finanziellen Schaden zurück. Es geht also nicht nur um den Warenhandel, sondern durchaus auch um Dienstleistungen für große und kleine Projekte, die ein Kunde mit einer Garantie absichert. Es können zum Beispiel auch Gehälter auf Garantiebasis abgesichert werden.

Was kann die BLB ihren Kunden über die Absicherungsinstrumente hinaus bieten?

Marc Müller: Die BLB zeichnet sich vor allem durch Schnelligkeit aus. Taggleiche Bearbeitung ist unsere oberste Maxime, da sind wir Spitzenreiter. Das ist gerade im internationalen Geschäft, wo es auch um Ausschreibungen geht, von immenser Bedeutung für unsere Kunden, denn jeder Tag Stillstand kostet Geld.

Wir bieten außerdem die gesamte Begleitung des internationalen Geschäfts hier vor Ort, von der Grundberatung bis zur finalen Abwicklung. Dadurch können wir Verlässlichkeit über alle Arbeitsstufen hinweg garantieren. Wenn ein Kunde einen neuen Markt erschließen will oder zum ersten Mal international aktiv wird, beginnt unsere Beratung beim Grundsätzlichen: Wir analysieren Länder und Märkte und können auf Basis unserer langjährigen Erfahrung Länder- und Bankenrisiken zuverlässig einschätzen. Dabei haben wir auch keine Berührungsängste: Wir begleiten unsere Kunden auch in Märkten, die für andere vielleicht nicht so gängig sind. Diesen Weitblick schätzen unsere Kunden sehr.

Jörg Schlichting: Eine enge Kundenbindung ist uns sehr wichtig. Jeder international agierende Kunde hat fast täglich Kontakt zur BLB. Durch den Austausch entwickelt sich eine besondere Beziehung, weil wir alle Bewegungen und Veränderungen in den jeweiligen Unternehmen direkt miterleben und unsere Kunden immer individuell beraten können. 

Herr Müller, Herr Schlichting, vielen Dank für das Gespräch.

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