Mediziner-Banking

Strenge Kriterien für Zweitmeinung

veröffentlicht am 20.03.2018 |  
Florian Olschewski

Florian Olschewski

Spezialist für freie Berufe

Bereits 2015 wurde im Rahmen des GKV-Versorgungsstärkungsgesetz (GKV-VSG) die Einführung eines Rechts auf eine unabhängige Zweitmeinung bei mengenanfälligen Eingriffen für gesetzlich Versicherte beschlossen. Rund zweieinhalb Jahre mussten vergehen, bis der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) endlich eine entsprechende Richtlinie verabschiedete. Das Zweitmeinungsrecht beschränkt sich zunächst auf Tonsillektomien, Tonsillotomien und Hysterektomien. Um eine nachteilige Verzögerungen bei der Behandlung zu vermeiden, sind Tumorerkrankungen ausdrücklich ausgenommen.

Das Zweitmeinungsverfahren beinhaltet eine Überprüfung der Indikation zum empfohlenen Eingriff, die Beratung über Therapie- und Handlungsalternativen, die Information des Patienten über fehlende / nicht verwendbare relevante Untersuchungsergebnisse, die Information des indikationsstellenden Arztes (Zustimmung des Patienten erforderlich) sowie die Erstellung eines Zweitmeinungsberichts (auf Wunsch des Patienten). Der indikationsstellende Arzt muss die Patienten mindestens zehn Tage vor einer Operation auf ihr Zweitmeinungsrecht hinweisen und sie darüber informieren, wo sie Kontaktdaten der für das Zweitmeinungsverfahren zugelassenen Ärzte finden. Die Kassenärztlichen Vereinigungen und die Landeskrankenhausgesellschaften benennen zu diesem Zweck die zugelassenen Ärzte künftig auf speziellen Informationsplattformen. Ferner soll es für die Patienten ein Merkblatt auf der Webseite des G-BA geben.

Die neue Leistung darf künftig über spezielle EBM-Ziffern abgerechnet werden, die in Kürze feststehen sollen. Dabei gelten jedoch strenge Voraussetzungen: Grundsätzlich ist eine Genehmigung der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung erforderlich. Diese setzt eine für den jeweiligen Eingriff entsprechende Facharztbezeichnung und eine mindestens fünfjährige ganztägige Tätigkeit im entsprechenden Fachgebiet in der unmittelbaren Patientenversorgung (Teilzeittätigkeiten sind zu addieren) voraus. Weitere Voraussetzungen sind die Erfüllung der Fortbildungsverpflichtung sowie entweder eine Weiterbildungsbefugnis oder eine akademische Lehrbefugnis. Ärzte, die wirtschaftliche Interessen an der Durchführung des Eingriffs haben könnten, sind von der Leistungserbringung ausgeschlossen.

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