Mediziner-Banking

Schlechter Start für die Videosprechstunde

veröffentlicht am 20.03.2018 |  
Sonja Bengen

Sonja Bengen

Beraterin Private Banking

Nur ein marginaler Anteil der Niedergelassenen nutzt die seit dem 1. April 2017 bestehende Möglichkeit, den Patienten Videosprechstunden anzubieten bzw. bereitet die Einführung des neuen Services konkret vor. Gut über die Hälfte der Ärzte schließt ein solches Angebot sogar kategorisch aus oder würde sich nur bei einer gesetzlichen Verpflichtung hierzu entschließen. Dies geht aus der aktuellen Umfrage der Stiftung Gesundheit „Ärzte im Zukunftsmarkt Gesundheit 2017“ hervor (vgl. Abb.). Der Studie zufolge ist die Lage in den Kliniken kaum besser. Lediglich jeweils 2,0 % der Klinik-ärzte gaben an, Videosprechstunden bereits zu nutzen bzw. deren Einführung vorzubereiten. Im Vergleich zur Vorjahreserhebung fällt auf, dass die Akzeptanz der Videosprechstunde eher abnimmt. So sank der Anteil der Niedergelassenen, die Videosprechstunden planen oder sich ein künftiges Angebot zumindest gut vorstellen können, deutlich von 47 % (im Jahr 2016) auf 37,8 % (2017).

Wie andere aktuelle Erhebungen belegen, sind jedoch viele Ärzte vom generellen Nutzen der Videosprechstunden überzeugt. Laut DAK Digitalisierungsreport 2018 sehen 80 % der Ärzte in Videosprechstunden und Online-Coachings einen nützlichen Ansatz. Die Gründe dafür, dass der neue Service dennoch auf mangelnde Akzeptanz in den Praxen stößt, sind vielschichtig. Neben der engen Reglementierung durch den Gesetzgeber (Beschränkung auf bestimmte Indikationen, einschränkende Regelungen, die auf das Fernbehandlungsverbot zurückgehen) bietet insbesondere die unzureichende Vergütungsregelung keinerlei Anreize für eine flächendeckende Umsetzung. Unter Berücksichtigung der Opportunitätskosten, der notwendigen Investitionen in die technische Ausstattung und die zertifizierte Software sowie der Tatsache, dass das Videosprechstunden-Angebot organisatorisch in den Praxisalltag eingegliedert werden muss, dürfte sich die Einführung insbesondere bei geringen Nutzungszahlen kaum rechnen. Dies könnte sich jedoch bald ändern. So ist – ausgehend von der zu erwartenden positiven Entscheidung des Deutschen Ärztetages im Mai 2018 – mit einer Öffnung des Fernbehandlungsverbots zu rechnen. Dann wären auch Behandlungen bzw. Arzneimittelverordnungen im Rahmen der Videosprechstunde möglich – und dies ohne persönlichen Erstkontakt in der Praxis. Voraussetzung ist allerdings, dass der Gesetzgeber parallel zur Liberalisierung des Fernbehandlungsverbots eine akzeptable Vergütungslösung schafft.

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