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Praxisgemeinschaft oder Berufsausübungsgemeinschaft?

Sowohl die Bildung einer Praxisgemeinschaft (PG) als auch einer Berufsausübungsgemeinschaft (BAG) kann über eine gemeinsame Nutzung von Räumen, Personal und Geräten Wirtschaftlichkeitsvorteile nach sich ziehen. Welche Form der Kooperation die bessere ist, lässt sich nicht pauschal, sondern nur im Einzelfall beurteilen.

Dabei spielen die Fragen, welche Praxisstrategie verfolgt wird und wie viel unternehmerische Freiheit der einzelne Arzt für sich beanspruchen möchte, eine wichtige Rolle. Sie sollten im Vorfeld einer Entscheidung ebenso durchdacht werden wie auch die einzelnen Schritte in Zusammenhang mit der Umsetzung des Konzepts:

  • Standortanalyse: Ist die Basis für eine Auslastung der größeren Praxisstrukturen (Analyse der Konkurrenzsituation, des Umsatzpotenzials etc.) gegeben (insbesondere für fachgleiche Zusammenschlüsse wichtig)?
  • Investitionsplanung: Sind durch die Kooperation spezielle Ersatz- und Erweiterungsinvestitionen notwendig (falls ja, Finanzierung klären)?
  • Personalplanung: Wie viel zusätzliches Personal mit welcher Qualifikation ist notwendig (z. B. für Schichtbetrieb, Urlaubsplanung)? Ist eine Änderung der Arbeitszeiten des Personals erforderlich? Ist diese umsetzbar?
  • Gebäudeanalyse: Reicht die Praxisfläche/Zahl der Behandlungszimmer/Wartebereiche für das zusätzliche Personal und die größeren Patientenzahlen aus?
  • Strategisches Konzept: Das künftige Praxiskonzept muss unter anderem Spezialisierungen (unter Berücksichtigung des Wettbewerbs und der Bevölkerungsstruktur des Einzugsgebietes) berücksichtigen. Die Angebote der Partner sollten sich (vor allem bei einer BAG) ergänzen.
  • Laufendes Controlling: Insbesondere bei der BAG ist nach der Gründung ein engmaschiges Controlling zur laufenden Überprüfung der Zielvorgaben erforderlich (Entwicklung Umsatz, Fallzahlen und Kosten, Break-even-Point-Analyse).

Beide Kooperationsformen können bei richtiger Konstruktion zu Wirtschaftlichkeitsvorteilen, einer einfacheren Patientenakquise sowie höheren Fallzahlen führen. Aus steuerlicher und rechtlicher Sicht ergeben sich jedoch je nach Kooperationsform unterschiedliche Sachverhalte (u .a. bezüglich der Haftung, der Schweigepflicht sowie der gemeinsamen Patientenbehandlung). Da hieraus bei falscher Gestaltung erhebliche Probleme resultieren können, ist eine qualifizierte Unterstützung – am besten durch spezialisierte Rechts- und Steuerberater – unverzichtbar. Nicht zuletzt sind auch die sogenannten weichen Faktoren zu berücksichtigen. Je enger das Konstrukt einer gemeinsamen Berufsausübung gefasst ist, desto höher liegt das Konfliktrisiko zwischen den Partnern. Insbesondere bei BAGs ist eine relativ hohe Trennungsquote zu verzeichnen. Umso wichtiger ist es (gerade auch bei befreundeten Medizinern!), möglichst viele potenzielle Streitpunkte im Vorfeld durch feste vertragliche Regeln auszuschließen.

Überblick: Privatgemeinschaft vs. Berufsausübungsgemeinschaft


Praxisgemeinschaft (PG)

Organisationsform

  • Zusammenschluss von mindestens zwei Ärzten (oder BAGs) gleicher/unterschiedlicher Fachrichtungen
  • Mehrere rechtlich und wirtschaftlich selbstständige Betriebe unter dem Dach einer organisatorischen Einheit (mehrere Abrechnungsnummern)
  • Verteilung der Kosten nach vereinbartem Schlüssel

Unternehmerische Freiheit

  • Selbstständige Praxisführung der beteiligten Ärzte mit jeweils eigenem Patientenstamm, eigener Patientenkartei und selbstständiger Abrechnung
  • keine Offenlegung der Umsätze/Gewinne
  • keine Anstellung von Ärzten durch die PG möglich

Vertretungsregelungen

  • Gegenseitige Vertretung bei Urlaub, Krankheit oder Fortbildung möglich (> 1 Woche: Anzeigepflicht bei der KV/KZV; dauerhafte Vertretung an festen Wochentagen nicht gestattet)

 


Berufsausübungsgemeinschaft (auch fachübergreifend)

Organisationsform

  • Zusammenschluss von mindestens zwei Ärzten (gemeinsame Berufsausübung steht im Vordergrund)
  • Einheitlicher Betrieb aus rechtlicher und wirtschaftlicher Sicht (eine Abrechnungsnummer)
  • Kosten- und Gewinnverteilung gemäß den Bestimmungen des Gesellschaftervertrages Unternehmerische Freiheit

Unternehmerische Freiheit

  • Abstimmung der Gesellschafter über die Gewinnverteilung erforderlich; eingeschränkte unternehmerische Freiheit (gemeinsame Entscheidung über Investitionen, Personalentscheidungen, Urlaubsplanung etc. erforderlich)
  • Transparenz über die Umsätze der einzelnen Ärzte
  • Anstellung von Ärzten durch die BAG mögliche Vertretungsregelungen

Vertretungsregelungen

  • gegenseitige Vertretung der Partner jederzeit möglich
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