Mediziner-Banking

Praxisbewertung für Mediziner

Wie das eigene Rating und die Praxis-Bewertung ermittelt werden – und wofür

Wenn junge Ärzte eine Praxis übernehmen oder neu gründen wollen, finden sie sich in einem Dschungel aus Rating-Anforderungen wieder. Die Praxis muss bewertet werden – und auch die Finanzkraft des Arztes wird beurteilt. Wozu ist das alles eigentlich nötig?

Eine der ersten Fragen bei einer Praxisübernahme ist die Bewertung. Sie ist einerseits für die Ermittlung des Kaufpreises ausschlaggebend. Dazu werden die Vermögenswerte und Umsätze, die zukünftig erwartet werden, zugrunde gelegt. Auch der Finanzierungsplan wird aufgrund dieser Werte aufgestellt.

Finanzierungsfragen werden betriebswirtschaftlich betrachtet

„Bei jeder Finanzierungsanfrage betrachten wir die Praxis auch betriebswirtschaftlich“, erläutert Jörg Wiebersiek, Spezialist im Private Banking bei der BLB. „Wir schauen, ob das Projekt, das der Kunde sich vorstellt, überhaupt realisierbar ist. Wir beraten da sehr offen und raten auch schon mal, noch ein bisschen zu warten oder nach einer anderen Praxis zu suchen, wenn beispielsweise die Immobilie eine zu hohe Investition fordert.“ Sowohl für die Neugründung als auch die Übernahme einer bestehenden Praxis gibt es diverse öffentliche Fördermöglichkeiten. Auch in diesem Zusammenhang sind die Bewertungen wichtig, denn sie werden von den Förderbanken abgefragt.

Ein Arzt ist heute gleichzeitig Unternehmer und trägt damit Verantwortung für seine Angestellten, folglich hat er selbst ein großes Interesse daran, dass die Finanzplanung solide ist und sich seine Praxis auch tatsächlich langfristig rechnet.

Verschiedene Verfahren zur Praxisbewertung

Es gibt verschiedene Verfahren, um den Wert einer Praxis zu ermitteln.

In Deutschland ist das Verfahren nach Professor Merk gängig. „Wenn Sie eine normale Arztpraxis bewerten, würden Sie das 1,2 bis 1,5-fache des Nettojahresumsatzes zu Grunde legen“, so Birgit Woletz, Beraterin für Freiberufler bei der BLB.

Weiterhin gibt es noch das klassische Ertragswertverfahren, das üblicherweise von Steuerberatern angewendet wird. Beim Ertragswertverfahren werden die Erträge der letzten fünf Jahre ermittelt und diese dann mit einem angenommen Zinssatz hochgerechnet. Auch bei diesem Verfahren ergibt sich ein Wert, der in der Regel zwischen dem 1,2 und 1,5-fachen des Jahresumsatzes liegt. Allerdings spielt auch die medizinische Fachrichtung eine Rolle: Besonders radiologische, kardiologische und nephrologische Praxen sind vergleichsweise teurer, weil sie vergleichsweise aufwändig mit Geräten ausgestattet sind.

„Die Bewertung einer Praxis wird anders vorgenommen als es bei einer klassischen Immobilien-Finanzierung der Fall ist. Dass die Finanzierung risikoreich ist, ist dem Bankberater bewusst. Deswegen nehmen wir auch die Analyse anders vor, als bei einer Immobilienfinanzierung. Wir blicken sozusagen in die Zukunft und erstellen eine Ertragsbewertung für drei Jahre mittels Ertragsplaner und Liquiditätsplaner. Das wird dann von uns kritisch bewertet. Die Analyse eines Kreditfalles im Bereich Freiberufler ist viel umfangreicher, weil wir mehr beachten müssen als bei einer Wohnungsbaubewertung“, so Ralph Willmer von der BLB.

Für die Bewertung gibt es Kennzahlen

Es gibt verschiedene Kennzahlen, die ausdrücken, wie die Praxis zu bewerten ist: beispielsweise die Umsatzrentabilität, die Kostenquoten (Personal, Material, Räumlichkeiten), das Verhältnis von Umsätzen bzw. Gewinnen pro Praxis-, Arzt- und Helferinnenstunde. Diese Zahlen ermöglichen eine objektive Einschätzung der Ertragsmöglichkeiten und lassen einen Vergleich mit anderen Praxen zu.

Auch der Arzt wird bewertet: das Rating

Für die Bank und ebenso für öffentliche Förderstellen ist neben der Besicherung und Praxisbewertung auch das Rating des Arztes wesentlich, um Finanzierungsmöglichkeiten zu bewerten. Jeder Kunde wird von der Bank im Hinblick auf seine finanziellen Möglichkeiten eingeschätzt. Dieses Rating fließt in die Risikoberechnung einer Finanzierung ein. Auf Anfrage gibt die Bank ihren Kunden gerne darüber Auskunft. Das Rating ist jedoch nur ein Aspekt und wird im Falle von Medizinern immer ergänzt durch den erwarteten Praxisumsatz, der als äußerst zuverlässig eingeschätzt wird. Deshalb ist eine Praxisfinanzierung auch mit einem geringeren Eigenkapitalanteil möglich.

„Die BLB unterstützt Mediziner von Anfang an. Wir sehen uns jeden Fall individuell an. Schon während des Medizinstudiums fühlen wir uns für Mediziner zuständig“, betont Ralph Willmer.

Ratingverfahren gewährleisten höhere Transparenz

Der Praxiswert wird wie beschrieben ermittelt, der Mediziner hat ein Bank-internes Rating. Doch auch Banken ihrerseits werden bewertet: durch ihre Kunden, durch unabhängige Tests und Ratingagenturen. So schließt sich der Kreis: Was auf den ersten Blick aussieht wie eine übermäßige Kategorisierung, schafft größere Transparenz für alle und führt zu höherer Sicherheit bei Entscheidungsprozessen. Tatsächlich können Ratings bei genauerer Betrachtung also dabei helfen, den Dschungel zu lichten.

Unsere Spezialisten freuen sich auf Sie

Vereinbaren Sie jetzt einen Gesprächstermin!

War dieser Artikel hilfreich?