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Hausbesuche: Neue Delegationsmöglichkeiten für Fachärzte

veröffentlicht am 05.10.2017 |  
Frank Weber

Frank Weber

Spezialist für freie Berufe

Seit dem 1. Juli 2017 haben nun auch viele Fachärzte die Möglichkeit, Hausbesuche an qualifizierte nichtärztliche Praxisassistenten (NäPA) zu delegieren und abzurechnen. Diese Delegationsmöglichkeit war bisher auf Patienten in Alten- bzw. Pflegeheimen beschränkt. Für die Abrechnung wurde das Kapitel 38 (Delegierbare Leistungen) des Einheitlichen Bewertungsmaßstabes (EBM) um zwei neue Gebührenordnungspositionen (GOP) ergänzt (vgl. Infobox). Insgesamt erhalten Fachärzte für den Hausbesuch ihrer NäPA somit 17,48 € (GOP 38100 + 38202) und 12,85 € für den Mitbesuch (GOP 38105 + 38207). Damit entspricht die Vergütung exakt jener der seit 1. Juli 2016 bestehenden Delegationsmöglichkeit der Patientenbesuche im Alten- und Pflegeheim. Die Abrechnungsmöglichkeiten der GOP 38100 und 38105 durch Fachärzte ohne genehmigten Praxisassistenten bleiben unberührt – allerdings dürfen in diesem Fall keine Zuschläge zum Ansatz kommen.

Vor dem Hintergrund der sich abzeichnenden Probleme bei der Sicherstellung der flächendeckenden Versorgung kommt der Delegation ärztlicher Leistungen ein immer größerer Stellenwert zu. Auch im aktuellen 8-Punkte-Programm der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) zum Strukturwandel des Gesundheitswesens ist das Thema explizit aufgeführt. Darüber hinaus ist die Delegation auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht von Interesse. Dank NäPA oder VERAH (Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis im Rahmen der Hausarztzentrierten Versorgung) lassen sich nicht nur direkte Einkünfte generieren. Patientenbefragungen im hausärztlichen Bereich haben gezeigt, dass die Hausbesuchsangebote durch qualifizierte Praxismitarbeiter auf eine hohe Wertschätzung treffen und damit der Bindung und Erweiterung des Patientenstamms dienen können. Die Ärzte – sofern sie zuvor selbst Hausbesuche durchgeführt haben – profitieren von deutlichen Zeitgewinnen, die entweder für zusätzliche Patienten (und damit Einnahmen) oder für eine Entschleunigung des Praxisalltags bzw. für mehr Freizeit genutzt werden können. Doch Vorsicht: Im Vorfeld der Entscheidung für eine Qualifizierungsmaßnahme sind einige wichtige Fragen zu beantworten:

  • Ist eine Praxismitarbeiterin vorhanden, die für die Fortbildung motiviert ist, die sich für die Hausbesuchstätigkeit eignet und die aller Voraussicht nach der Praxis auch längerfristig zur Verfügung steht?
  • Wer erledigt die bisherigen Aufgaben der Mitarbeiterin, die während der Fortbildung und anschließend während der Hausbesuche nicht in der Praxis verfügbar ist?
  • Welche zusätzlichen Einnahmen kann die Delegationskraft generieren (überschlägige Ermittlung auf Basis der bislang durchgeführten / zu erwartenden Nachfrage nach Haus- und Heimbesuchen)?
  • Ist mit zusätzlichen ärztlichen Einnahmen zu rechnen (zusätzliche Leistungserbringung während der gewonnenen Zeit)?
  • Welche Zusatzkosten ergeben sich (Fortbildungskosten, höheres Gehalt für die NäPA/VERAH, Gehalt für eine zusätzliche Angestellte oder die Aufstockung des Arbeitsumfangs anderer Praxismitarbeiter, Kfz [Anschaffung und laufende Kosten], Mobiltelefon)?

Bei der Beantwortung dieser Fragen darf nicht vergessen werden, dass sich die finanziellen Investitionen in die Qualifikationsmaßnahme je nach Einnahmensituation und Entwicklung des Patientenstammes eventuell nicht gleich im ersten Jahr amortisieren, sondern erst mittelfristig.

Abrechnung NäPa-Hausbesuche für Fachärzte

GOP 38202 (90 Punkte): Zuschlag zur GOP 38100 für den Besuch und die Betreuung durch einen qualifizierten nichtärztlichen Praxisassistenten in der Häuslichkeit des Patienten.

GOP 38207: Zuschlag zu der Gebührenordnungsposition 38105 für den Besuch und die Betreuung eines weiteren Patienten durch einen qualifizierten nichtärztlichen Praxisassistenten in der Häuslichkeit des Patienten.
Die Vergütung erfolgt extrabudgetär (ohne Mengenbegrenzung).

Voraussetzungen:
Genehmigung der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung, Beschäftigung eines Assistenten (mit entsprechender Qualifikation und Erfahrung) im Umfang von mindestens 20 Wochenstunden. Sofern die Praxis bereits eine NäPA beschäftigt, ist keine erneute Genehmigung notwendig. Eine Mindestfallzahlregelung gibt es nicht.

Berechtigte Facharztgruppen: Kinder- und Jugendmedizin, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, Augenheilkunde, Chirurgie, Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Fachärzte für Haut- und Geschlechtskrankheiten, Innere Medizin mit/ohne Schwerpunktbezeichnung (fachärztliche Versorgung), Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Neurologie, Nervenheilkunde, Neurologie und Psychiatrie, Orthopädie, Orthopädie und Unfallchirurgie, Psychiatrie und Psychotherapie, Urologie, Physikalische und Rehabilitative Medizin.

Abrechnungsausschlüsse: Die Zuschläge dürfen nicht in der gleichen Sitzung neben den GOP 38200 und 38205 für Besuche in Alten- oder Pflegeheimen/anderen beschützenden Einrichtungen berechnet werden. Ferner dürfen sie nur bei jenen Fällen zum Ansatz kommen, bei denen auch eine Versicherten- oder Grundpauschale abgerechnet wurde.
Zu weiteren Details vgl. http://bit.ly/2wWE3ry

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