Mediziner-Banking

Der Traum von der eigenen Praxis

Was Mediziner bei der Existenzgründung beachten sollten

Mediziner, die sich selbstständig machen wollen, werden mit vielen Dingen konfrontiert, auf die ihr Studium sie nicht vorbereitet hat. Manches davon ist einfach zu erledigen. Andere Dinge erfordern ein tiefergehendes Umdenken.

Bürokratische Anforderungen an Existenzgründer

Die Anforderungen, die an einen Arzt außerhalb seines eigentlichen medizinischen Gebietes gestellt werden, wachsen stetig. „Auch die Ansprüche der Banken werden teilweise aufgrund der gesetzlichen Rahmenbedingungen immer höher”, erläutert Birgit Woletz, Gruppenleiterin für die Freiberuflerbetreuung bei der BLB. Ganz konkret muss der Mediziner bei der Antragstellung auf öffentliche Gelder als Bestandteil der Praxis-Finanzierung beispielsweise einen Businessplan vorlegen. Dieser beinhaltet üblicherweise eine Erlös- und Steuerplanung, alle Abschreibungen, die Bilanz- und Personalplanung sowie den erwarteten Cashflow. All dies sind betriebswirtschaftliche Planungen, die ein Mediziner nicht ohne weiteres leisten kann und für die er in der Regel die Hilfe eines Steuerberaters und einer Bank in Anspruch nimmt. 

Wenn der Arzt eine vorhandene Praxis übernehmen möchte, muss eine Praxisbewertung vorgenommen werden, in der die Sachwerte ebenso widergespiegelt werden wie die zu erwartenden Einnahmen. Auch hier kann ein Steuerberater oder aber die Bank bei der Umsetzung helfen.

Mit der Bank werden Finanzierungslösungen ausgehandelt 

Businessplan, Praxisbewertung, Fristenkongruenzen – alles Dinge, auf die Mediziner im Studium nicht vorbereitet werden.

Soll die Immobilie gekauft werden, muss in der Regel mit der Bank eine Finanzierungslösung ausgehandelt werden. Arztpraxen haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten erhebliche Preissteigerungen erlebt. Daher ist gewöhnlich der Eigenanteil, den der Mediziner zur Finanzierung beitragen kann, eher niedrig. Die verbleibende Summe muss kreditfinanziert werden. „Wenn Sie heute eine Arztpraxis finanzieren, liegt das Kreditvolumen im Durchschnitt zwischen 200.000 und 500.000 Euro. In der Radiologie oder Nephrologie sind es zwischen zwei und fünf Millionen Euro“, sagt Ralph Willmer, verantwortlich für das Finanzierungsgeschäft für Privatkunden bei der BLB. „Wir schauen, ob es Zuschüsse wie zum Beispiel regionale Förderungen vom Land Bremen oder der Bremer Aufbau-Bank gibt. Ansonsten bleiben KfW-Mittel.“

Fristen einhalten und Voraussetzungen prüfen

„Die Frage der Fristenkongruenz ist ebenfalls wichtig: Im Bereich der öffentlichen Mittel haben wir feste Laufzeiten von 10 oder 20 Jahren. Üblicherweise schreibt sich eine Praxis auf 12 bis 15 Jahre ab. Deshalb muss man schauen, wie das zusammen passt. Sonst hat der Arzt hinterher nichts mehr zum Abschreiben aber einen Kredit, das ist dann nicht ideal“, führt Ralph Willmer weiter aus. „Wir prüfen auch die formalen Voraussetzungen, eine Praxis zu betreiben. Das hängt mit der Kreditentscheidung zusammen, darauf schauen wir natürlich auch“, ergänzt sein Kollege Jörg Wiebersiek, Gruppenleiter für Private Banking. „Hat der Arzt eine Zulassung? Hat er eine entsprechende Facharztbescheinigung? Hat er die Approbation? Hat er überhaupt `die Lizenz´, um die Praxis zu übernehmen? Das muss alles dokumentiert werden.“

Fragen der Praxisgestaltung:

Es gibt auch eine Reihe von Fragen zu beantworten, die eher die praktische Ausgestaltung der Praxis betreffen. Jeder niedergelassene Arzt muss entscheiden, ob er in einer Einzel- oder einer Gemeinschaftspraxis arbeiten möchte. Der Trend zu Gemeinschaftspraxen ist dabei unverkennbar, weil sie die Möglichkeit zur Kostenteilung bieten. In einer Gemeinschaftspraxis ist es dadurch leichter möglich, medizinische Geräte auf dem aktuellen Stand zu halten. Außerdem ist es für den organisatorischen Ablauf der Patientenversorgung einfacher, sich die Praxis mit mehreren Kollegen und Kolleginnen zu teilen. Auf diese Weise kann eine größere Vielfalt an medizinischen Spezialgebieten abgedeckt werden. Auch die Sprechstundenzeiten können leichter durch Schichten erweitert werden – inklusive Abendschichten, die für Berufstätige einen Gewinn bedeuten. Die nächste Frage betrifft die Immobilie: Ist es vorteilhafter zu mieten oder zu kaufen? Dies kann nur im Einzelfall entschieden werden. Bei der Übernahme einer bestehenden Praxis sind die Bedingungen oft vorgegeben. Die Frage nach weiteren Investitionen hingegen ist nicht ein für allemal zu beantworten, sondern stellt sich immer wieder neu je nach technischer Entwicklung. Die teils sehr hohen Anschaffungskosten sind in Gemeinschaftspraxen leichter zu tragen.

Zusätzlich neu ist für selbstständige Mediziner:

Wir prüfen, welche Zuschüsse und regionalen Förderungen es gibt.
- Ralph Willmer

Mediziner, die eine eigene Praxis betreiben, müssen sich anfänglich oft an die Dimension der Summen, mit denen sie plötzlich zu tun haben, gewöhnen. Es ist sehr wichtig, hier einen souveränen Umgang zu entwickeln, um Praxis-Investitionen ebenso wie die private Vermögenssituation planen können. Generell ist es wesentlich, dass Mediziner sich im Hinblick auf die Praxisführung professionalisieren und betriebswirtschaftlich denken. Dies erfordert andere Fähigkeiten, als sie gewöhnlich von Mitgliedern der Heilberufe erwartet werden. Hier können Steuerberater und Banken beraten und helfen. Buchhaltung, Personal- und Jahresplanung sowie Controlling sind sicher keine Themen, von denen Mediziner geträumt haben. Doch wenn sie sich hier mit der entsprechenden Hilfe professionalisieren, können sie sich auf ihre Arbeit als Arzt konzentrieren und sind so gleichzeitig zufriedener und erfolgreicher.

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