Erneuerbare Energien

Zweite Ausschreibungsrunde hat viele Verlierer

Die zweite Ausschreibungsrunde für Windenergieanlagen an Land unterstützt nicht die Akteursvielfalt. Wer profitiert und wer auf der Strecke bleibt, erläutert Jürgen Broers, Spezialist für Erneuerbare Energien.

veröffentlicht am 01.09.2017 |  
Jürgen Broers

Jürgen Broers

Spezialist für Erneuerbare Energien

Tags: #Erneuerbare Energien

In der der zweiten Ausschreibungsrunde für Windenergieanlagen an Land sind insgesamt 281 Gebote mit einem Volumen von 2927 Megawatt (MW) abgegeben worden. Die Ausschreibung war damit fast dreifach überzeichnet. Insgesamt wurden 67 Zuschläge mit einem Volumen von 1013 MW erteilt. Mit 90 Prozent der Zuschläge (60 Zuschläge) bzw. 95 Prozent des der Zuschlagvolumens ging wieder der größte Teil an Bürgerenergieprojekte.

Verlierer der Auktion sind die „echten“ Bürgerenergiegesellschaften, die nicht spekulativ bieten wollen oder können.
- Jürgen Broers

Der durchschnittliche Zuschlagswert ist bei der letzten Ausschreibungsrunde auf 4,28 Cent/kWh und damit um fast 1,5 Cent /kWh sehr deutlich unter dem Preis der ersten Runde gefallen. Ein Umstand, der dem Gesetzgeber nur vordergründig gefallen wird. Auffällig dabei ist, dass das Preisniveau in der August-Auktion deutlich durch die Gebote aus dem Umfeld eines einzelnen Marktteilnehmers mit weit mehr als der Hälfte der bezuschlagten Projekte beeinflusst wurde.

Bereits in der ersten Ausschreibung hat man eine Reihe von Bürgerenergie-Zuschlägen einzelnen professionellen Projektentwicklern zuordnen können. Jetzt ist die Konzentration auf einen Teilnehmer noch deutlicher. Verlierer der Auktion sind die „echten“ Bürgerenergiegesellschaften, die nicht spekulativ bieten wollen oder können. Hierunter leidet die Akteursvielfalt. Bei aller Kritik: Eine solche Konzentration auf einzelne Marktteilnehmer lässt das Ausschreibungsverfahren zu, war aber vielleicht nicht im Sinne des Gesetzgebers.

Es wird sich zeigen, dass eine BImSchG-Genehmigung für viele Standorte noch in weiter Ferne liegt.
- Jürgen Broers

Verlierer dieser Auktion sind auch die vielen Inhaber von BImSchG-genehmigten Projekten, die in der Auktion nicht zum Zuge gekommen sind und sich fragen müssen, ob die Standorte unter den neuen Bedingungen noch umsetzungsfähig sein werden. Auch das wird der Gesetzgeber im Sinne einer Akteursvielfalt nicht so gewollt haben.

Als Verlierer sehen wir auch die Umwelt, wenn die festgelegten Ausbaukorridore und die damit verbundenen Ausbauziele nicht erreicht werden können, was sich heute abzeichnet: 60 der 67 bezuschlagten Projekte haben keine Genehmigung. Es wird sich zeigen, dass eine BImSchG-Genehmigung für viele Standorte noch in weiter Ferne liegt. Ob Windenergieanlagen mit diesen Zuschlägen im Rücken nach Durchführung aller jetzt notwendigen Untersuchungen in einigen Jahren überhaupt errichtet und wirtschaftlich betrieben werden können, ist die große Frage.

Und auch die deutsche Windindustrie, das heißt alle, die sich mit der Errichtung von Windenergieanlagen beschäftigen, läuft Gefahr zu verlieren: Aus den Ergebnissen der Ausschreibungen können negative Konsequenzen für die komplette Wertschöpfungskette vom Windenergieanlagenhersteller, über die Zulieferer, die Projektentwickler und die Projektfinanzierer resultieren, wenn die kontinuierliche Auslastung ausbleibt.

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