Erneuerbare Energien

Projektfinanzierungsstrukturen für Windparks vor neuen Herausforderungen

Die Reduzierung der Erlösunsicherheit gegenüber der Energieertragsunsicherheit im EEG2017 eröffne grundsätzlich größere Finanzierungsspielräume, sagt Hartmut Kluge, Spezialist für Erneuerbare Energien.

veröffentlicht am 01.09.2017 |  
Hartmut Kluge

Hartmut Kluge

Spezialist für Erneuerbare Energien

Tags: #Erneuerbare Energien

Das sogenannte einstufige Fördermodell des EEG2017 reduziert die Erlösunsicherheit gegenüber der Energieertragsunsicherheit erheblich. Geringere Unsicherheiten eröffnen grundsätzlich größere Finanzierungsspielräume – der Ruf nach längeren Laufzeiten ist deutlich vernehmbar.

Grundlage jeder Projektfinanzierung ist ein möglichst verlässlich kalkulierbarer Cash Flow.
- Hartmut Kluge

Für die Beurteilung der Kapitaldienstfähigkeit und der Eigenkapitalrendite ist aber nicht der Umsatzerlös, sondern der Cash Flow (CF) nach Betriebskosten (BK) maßgeblich. Die BK weisen zunehmend fixe statt energieertrags- oder umsatzabhängige Komponenten auf; ein Trend der durch den zunehmenden Kostendruck verstärkt wird. Die Unsicherheiten des CF nach BK weisen jedoch bei niedriger Standortgüte trotz der ausgleichenden Wirkung der Korrekturfaktoren auf den Umsatzerlös eine starke Asymmetrie auf – die Risiken überwiegen die Chancen deutlich. Bessere Standortgüten profitieren hingegen von den neuen Wirkungsmechanismen.

Grundlage jeder Projektfinanzierung ist ein möglichst verlässlich kalkulierbarer CF. Die Strompreisentwicklung spielte bislang für den CF einer Windparkprojektfinanzierung allenfalls in dessen Zusammensetzung, nicht aber in dessen Höhe eine Rolle. Auf absehbare Zeit wird dies angesichts der derzeitigen Marktpreisprognosen für Wind an Land so bleiben, zumal die Fördersystematik des EEG via Marktprämie auf dem durchschnittlichen energieträgerspezifischen Monatsmarktwert aufsetzt und damit eine Optimierung über Strompreisspitzen nur innerhalb dieser Fördersystematik erlaubt. Über die Finanzierungs- und Betriebsdauer eines Windparks wird man diesem Aspekt künftig aber stärker Beachtung schenken, zumal die in immer kürzeren Zyklen erfolgenden EEG-Novellierungen dem Grundsatz „weniger Förderung – mehr Markt“ folgen.

Es ist und bleibt aber auch richtig und elementar, dass beim Kreditnehmer einer Projektfinanzierung möglichst geringe Risiken für den CF verbleiben sollen, damit eine solche Finanzierung
a) mit geringer Risikoprämie im Zinssatz kalkuliert werden kann und
b) dieses Instrument einer möglichst großen Zahl von Akteuren ohne Rückgriff auf die Eigenbonität der Projektinitiatoren offen steht.

Die seit 25 Jahren bewährten Strukturen von Projektfinanzierung für Windparks in Deutschland stehen vor neuen Herausforderungen, bieten aber auch Chancen. Anforderungen an die Kapitaldienstdeckungsraten sollten dies berücksichtigen; Finanzierungsstrukturen sind auf die individuellen Projektqualitäten auszurichten.

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