Erneuerbare Energien

Photovoltaik-Ausschreibungen im Rahmen des EEG 2017

Auch künftig werden Erneuerbare Energien gefördert

veröffentlicht am 01.06.2017 |  
Corinna Tiesch

Corinna Tiesch

Spezialistin für Erneuerbare Energien

Tags: #Erneuerbare Energien

Die bisher geltende Freiflächen-Ausschreibungsverordnung aus dem EEG 2014 wurde nun durch das EEG 2017 abgelöst, welches bei der ersten Ausschreibungsrunde am 1. Februar 2017 Anwendung fand. Die gesammelten Erfahrungen aus den sechs Pilotausschreibungen in den Jahren 2015 und 2016 fanden im neuen EEG 2017 Berücksichtigung. Nunmehr sind die Marktteilnehmer aufgefordert, sich an der zweiten Ausschreibungsrunde in 2017 (bis zum 1. Juni) zu beteiligen.

Auch künftig werden Erneuerbare Energien gefördert

Auch in Zukunft wird der Bau von Photovoltaik-Freiflächenanlagen zur Stromerzeugung staatlich gefördert. Seit dem 1. April 2015 müssen Anbieter sich um die Förderung in einem Ausschreibungsverfahren bewerben. Gegenstand der Ausschreibung ist die Erzielung einer wettbewerblich ermittelten, also nicht vorher vom Gesetzgeber festgelegten Förderhöhe. Nur wer den Zuschlag erhält, dessen Projekte werden gefördert. Im letzten Jahr wurde bereits die erste grenzüberschreitende Ausschreibung für Investoren mit PV-Anlagen in Deutschland oder Dänemark von der Bundesnetzagentur angeboten. Ein Ausschreibungsvolumen von 50 Megawatt bei einer Anlagengröße von max. zehn Megawatt wurde ausgeschrieben und ein durchschnittlicher Zuschlagspreis (Einheitspreis) von nur 5,38 ct/kWh für fünf Projekte mit Bietern aus Dänemark, die in Dänemark realisiert werden, konnte erzielt werden. Im Gegenzug hat letztes Jahr auch in Dänemark eine PV-Ausschreibung stattgefunden, bei der deutsche Bieter mitbieten konnten - leider ohne Erfolg. Der in der geöffneten Ausschreibungsrunde mit Dänemark ermittelte Zuschlagswert von 5,38 ct/kWh liegt deutlich unter dem Wert der bisherigen nationalen Ausschreibungsrunden in Deutschland. Gemäß Bundesnetzagentur zeigten sich spezifische Standortvorteile in Dänemark wie zum Beispiel keine Beschränkung der Flächenkulisse und höhere Standortgüte. Weitere Termine mit „elektrischen“ Nachbarn, den sogenannten Anrainerstaaten, stehen noch nicht fest.

Verschiedene Gründe für die Einführung des Ausschreibungsverfahrens

Die Kosten der Förderung werden mithilfe des Ausschreibungsverfahrens gering gehalten, indem der Wettbewerb unter den Anbietern gesteigert wird.

Von der Politik wird immer wieder als einer der entscheidenden Gründe die Vorgabe der EU aufgeführt. Neben Deutschland werden auch in Frankreich und den Niederlanden festgelegte PV-Mengen (MW) in Auktionen ausgeschrieben. Des Weiteren waren die bisherigen Fördersummen aus Sicht des Gesetzgebers zu hoch. Künftig soll erneuerbarer Strom nur noch in der Höhe gefördert werden, die nötig ist, um einen wirtschaftlichen Betrieb der Energieanlagen zu gewährleisten. Die Kosten der Förderung werden mithilfe des Ausschreibungsverfahrens gering gehalten, indem der Wettbewerb unter den Anbietern gesteigert wird. In den letzten Ausschreibungsrunden ist der durchschnittliche Zuschlagswert von 9,17 ct/kWh auf 6,58 ct/kWh (02/2017) gesunken. In der Auktion über die Vergütungshöhe erhält der Bieter mit den geringsten Förderwünschen den Zuschlag (Gebotspreisverfahren).

Ergebnisse aus den ersten Ausschreibungsrunden

Die ersten Ausschreibungsrunden haben interessante Ergebnisse erbracht. So waren in allen sieben Ausschreibungsrunden für Photovoltaik-Freiflächenanlagen bei einer ausgeschriebenen Menge von 1.110 Megawatt die Gebotsmengen mit einer gesamten Nennleistung von rund 3.596 Megawatt deutlich überzeichnet. Von den ersten beiden Ausschreibungsrunden wurden mittlerweile 65 Prozent (103 MW) und 72 Prozent 113 MW) der Projekte realisiert. Die Umsetzungsfrist läuft bei den Akteuren der zweiten Runde am 20. August 2017 aus, demzufolge besteht noch eine gute Chance, eine höhere Umsetzungsquote zu erzielen.

Die Volumina der Ausschreibungen betrugen zwischen 125 Megawatt und 200 Megawatt. Bewährt hat sich das „pay as bid“ Verfahren (Zuschlag gemäß Gebot) und nicht das „uniform pricing“ Modell (Einheitspreis auf Basis des letzten bezuschlagten Gebotes). Das durchschnittliche Preisniveau der Gebote sank von Runde zu Runde.

Apr 2015 Aug 2015 Dez 2015 Apr 2016 Aug 2016 Dez 2016 Feb 2017
Durchschnittliche Förderhöhe (ct/kWh) 9,17 8,49 8,00 7,41 7,25 6,90 6,58

Der so fixierte Preis wird für mindestens 20 Jahre ab Inbetriebnahme gezahlt und bietet damit weiterhin eine sichere Kalkulationsgrundlage für die Investoren und Planer.

Auch kleinere Bieter nahmen an den Ausschreibungen teil

Die Befürchtungen, dass kleinere Bieter nicht mehr an den Verfahren teilnehmen könnten, bestätigte sich nicht: In allen Ausschreibungsrunden haben Bieter verschiedener Rechtsformen und Projektgrößen teilgenommen. Dennoch fällt auf, dass einige Projektentwickler mit einer großen Anzahl an bezuschlagten Projekten in den Ausschreibungsrunden vertreten sind. Die Projektgesellschaften nahmen in den meisten Fällen die Gebote an, bei denen sie den Zuschlag erhalten hatten, und stellten die erforderlichen Zweitsicherheiten.

Die Ausschreibungen in 2017

Auch im neuen EEG 2017 ist der Ausbaukorridor für Erneuerbare-Energien-Anlagen festgelegt. Er beschreibt, wie weit die Photovoltaik ausgebaut werden soll. Das Ausschreibungsverfahren stellt sicher, dass nur so viel zugebaut wird, wie auch gewollt ist: Erwartungsgemäß werden nur Projekte mit Zuschlag umgesetzt. Ein Nachrückverfahren existiert nicht mehr, das heißt wenn ein Akteur einen Zuschlag erhält, seine Zweitsicherheit allerdings nicht stellt, dann rückt keiner mit dem nächsthöheren Preis nach.

Die Vielfalt der Akteure soll auch im EEG 2017 erhalten bleiben.

Die Vielfalt der Akteure soll auch im EEG 2017 erhalten bleiben. Dies liegt im Interesse des Gesetzgebers, weil der Wettbewerb die Förderhöhe senkt. Insbesondere die vielen kleinen Akteure in den Bürgerenergieprojekten sorgen für mehr Akzeptanz der Energiewende. Dreimal jährlich sollen Ausschreibungen stattfinden. Es wird ein Höchstpreis für die Ausschreibung von Freiflächenanlagen und Dachanlagen > 750 kW festgelegt und veröffentlicht.

Im Rahmen der Ausschreibungen können deutschlandweit maximal zehn Anlagen, die auf Ackerflächen in benachteiligten Gebieten errichtet werden sollen, bei den Geboten berücksichtigt werden. Das EEG 2017 ermöglicht es den einzelnen Bundesländern durch Verordnungen, mehr Ackerflächen Projekte zuzulassen.

Als erstes Bundesland hat Baden-Württemberg gefolgt von Bayern eine Verordnung zur Öffnung der Ausschreibung für Photovoltaik-Freiflächenanlagen für Gebote auf Acker- und Grünlandflächen in benachteiligten Gebieten beschlossen. Demnach können in Baden-Württemberg jährlich bis zu 100 Megawatt und in Bayern bis zu 30 Projekte bei den Ausschreibungsrunden bezuschlagt werden.

Die zweite Ausschreibungsrunde für Solaranlagen in 2017 mit dem Gebotstermin 1. Juni 2017 ist gestartet. Es wurden erneut 200 MW ausgeschrieben bei einem Höchstgebot von 8,91 Cent /kWh.

Generelles zum Ausschreibungsverfahren

Der Photovoltaik-Ausschreibungs-Zubau war in den Jahren 2015 und 2016 pro Jahr auf 500 Megawatt begrenzt, erhöht sich allerdings ab 2017 auf 600 Megawatt. Die Obergrenze pro Projekt liegt bei zehn Megawatt und die Untergrenze bei 750 kW, die sowohl für Freiflächenanlagen als auch für Dachanlagen relevant sind.

So funktioniert das Verfahren:

Die Gebote müssen bis zum jeweiligen Gebotstermin (1. Februar, 1. Juni und 1. Oktober) bei der Bundesnetzagentur eingehen. Die Bieter müssen bei jedem Gebot für das Projekt eine Erstsicherheit von fünf Euro pro Kilowatt zu installierender Leistung auf das Konto der Bundesnetzagentur einzahlen oder durch eine Bietungsbürgschaft hinterlegen. Nach Erhalt des Zuschlags wird die Erstsicherheit automatisch vorerst eingezogen.

Erhält der Bieter den Zuschlag und nimmt ihn an, muss er innerhalb von zehn Tagen eine zweite Sicherheit in Höhe von 45 Euro pro bezuschlagtem Kilowatt zu installierender Leistung (bzw. 50 Euro als Sicherheit insgesamt) stellen. Diese Sicherheit (Erst- und Zweitsicherheit) dient als Pfand für die Realisierung der Anlage und beträgt damit rund fünf Prozent der Investitionskosten. Verfügt das PV-Projekt bereits über einen beschlossenen B-Plan oder einen Planfeststellungsbeschluss, wie in §37 Absatz 2 Satz 2 Nummer 1 Buchstabe c oder Buchstabe d geregelt, kommt der Gesetzgeber dem Bieter entgegen und er kann die Zweitsicherheit auf 20 Euro pro Kilowatt reduzieren.

Wenn der Bieter das Projekt nicht innerhalb von zwei Jahren baut und keinen Antrag auf Ausstellung einer Förderberechtigung stellt, erlöschen die erteilten Zuschläge und die gesamte Sicherheit wird als Pönale eingezogen.

Einen ersten Einschnitt erhält der Bieter bereits nach dem Verstreichen von 18 Monaten ohne Beantragung der Zahlungsberechtigung, da nach § 54 EEG 2017 der Wert seines Zuschlags dann um 0,3 ct pro kWh der bezuschlagten Leistung reduziert wird. Ein Flächentausch, das heißt wenn der Standort nicht mit den im Gebot beantragten Flurstücken übereinstimmt, ist gemäß §54 EEG weiterhin möglich, allerdings verringert sich auch hier der anzulegende Wert nach §38b um 0,3 ct pro kWh.

Ein Bieter, der in den Ausschreibungsrunden nicht zum Zuge kommt, darf in den folgenden Runden erneut bieten, bis er einen Zuschlag erhält.

Wenn der Bieter das Projekt nicht innerhalb von zwei Jahren baut und keinen Antrag auf Ausstellung einer Förderberechtigung stellt, erlöschen die erteilten Zuschläge. Der Bieter muss dann eine Strafzahlung in Höhe der Erstsicherheit und einer zusätzlichen Gebühr zahlen. Für Zuschläge, die innerhalb der ersten neun Monate nach Bekanntgabe zurückgegeben werden, wird eine geringere Strafzahlung erhoben, als beim Erlöschen der Gebote fällig würde.

Ein Bieter, der in den Versteigerungsrunden nicht zum Zuge kommt, darf in den folgenden Runden erneut bieten, bis er einen Zuschlag erhält.

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