Energiewirtschaft

Saisonfinanzierung – wie Energieversorger ihren Betriebsmittelbedarf decken können

Ein neues Angebot der BLB für Energieversorger

veröffentlicht am 30.09.2016 |  
Demier Schoof

Demier Schoof

Firmenkunden

Tags: #Energiewirtschaft

Energieversorger haben ein jahreszeitlich stark schwankendes Geschäft und entsprechend auch schwankenden Liquiditätsbedarf. Im Gespräch erläutert Demier Schoof, Kundenberater bei der BLB, wie Energieversorgungsunternehmen deshalb von saisonalen Kreditlinien profitieren können.

Herr Schoof, was genau ist eine Saisonfinanzierung?

Ein Klassiker im Bankenmarkt ist der Betriebsmittelkredit. Der Kunde hat ein komplettes Jahr lang die Möglichkeit, frei über einen eingeräumten Rahmen zu verfügen. Dafür zahlt er neben Sollzinsen für Inanspruchnahmen eine entsprechende Provision – die Bereitstellungsprovision oder „commitment fee“, die auf den Teil der bereitgestellten Summe entfällt, der nicht in Anspruch genommen wird.

Bei der Saisonfinanzierung ist nun das Besondere, dass wir diese Linie nur für einen gewissen Zeitraum im Jahr zusagen und den Unternehmen nur für diesen Zeitraum Gebühren entstehen. Kunden optimieren damit ihre Liquiditätskosten.

Seit wann bietet die BLB eine Saisonfinanzierung für Energieversorger an?

Saisonfinanzierungen kennt man vor allem aus der Agrarhandelsbranche. Agrarhändler kaufen zur Erntezeit den Rohstoff von den Landwirten und veräußern diesen über mehrere Monate. Der Liquiditätsbedarf ist zur Erntezeit hoch und reduziert sich mit dem sukzessiven Abverkauf der Ware.

Das Geschäft der Energieversorger ist ebenfalls saisonal geprägt und wird durch Wetterextreme beeinflusst. Wenn wir zum Beispiel einen sehr kalten Winter haben, nützt die beste Schätzung nichts. Der Wareneinkauf übersteigt die monatlichen Abschläge, so dass große Summen vorfinanziert werden müssen. Hier sollte ein Energieversorger flexibel reagieren können.

Die Idee der Saisonfinanzierung entstand in einem Kundengespräch, weil einige Kunden sagten: „Wir brauchen die Liquidität eigentlich gar nicht das ganze Jahr über.“ Im letzten Jahr haben wir sie dann erstmals auch für Energieversorgungsunternehmen angeboten – seitdem ist das Produkt unter unseren Kunden sehr gefragt.

Wieso ist eine Saisonfinanzierung besonders für Energieversorger geeignet?

Eine Saisonfinanzierung bietet viele Vorteile – und gerade Energieversorger benötigen nicht das gesamte Jahr über extern bereitgestellte Liquidität. Die meisten Energieversorger erhalten ihre Liquidität in festen monatlichen Abschlägen von ihren Kunden. Das führt dazu, dass sie in der hellen, warmen Jahresphase in der Regel einen Liquiditätsüberschuss haben, während ihre Kunden konstant weiterzahlen. Daher ist es für Energieversorger sinnvoll, in dieser Zeit keine Provisionen für Liquiditätsreserven leisten zu müssen.

An welcher Stelle kann für Energieversorger ein Liquiditätsengpass entstehen?

Unterjährig haben Energieversorger in der Regel gewisse Auszahlungen. Sie müssen beispielsweise Netze instand halten oder ausbauen, eventuell ein Kraftwerk modernisieren und in Generatoren oder Leitungen investieren. In Monaten, in denen die Abschlagszahlungen die Kosten nicht decken, kann dies zu einem Liquiditätsengpass führen.

Wer viel Liquidität vor sich herschiebt, muss außerdem bei Banken mittlerweile Verwahrentgelte leisten. Im gegenwärtigen Negativzinsumfeld muss ein Energieversorger für Liquiditätspuffer auf Konten zahlen.

Ist eine Saisonfinanzierung in der gegenwärtigen Niedrigzinsphase besonders sinnvoll?

Das Angebot einer Saisonfinanzierung durch die BLB richtet sich an Unternehmen, die saisonalen Schwankungen unterliegen und ihren Liquiditätsbedarf in schwankungsintensiven Phasen sichern wollen.

Die aktuellen Negativzinsen machen eine Saisonfinanzierung umso attraktiver. Natürlich wird ein Unternehmen generell darauf achten, seine Liquidität effizient einzusetzen. Die Saisonfinanzierung bietet den Vorteil, dass der Kunde die Bereitstellungsprovision nur in der Saison zahlt und seine Liquidität so einsetzen kann, wie er es für allgemeine Investitionen in Instandhaltung braucht. So bleiben ihm die nötigen unternehmerischen Freiräume.

Benötigen alle Energieversorger diese Saisonfinanzierung?

Es gibt auch Energieversorger, die aufgrund ihres Geschäftsmodells keinen saisonalen Bedarf haben. Einige Versorger kommen gut damit aus, sich im Sommer einen Liquiditätspuffer aufzubauen, den sie dann im Winter für den Energieeinkauf nutzen können.

Das Angebot einer Saisonfinanzierung durch die BLB richtet sich an Unternehmen, die saisonalen Schwankungen unterliegen und ihren Liquiditätsbedarf in schwankungsintensiven Phasen sichern wollen.

Welche Parameter berücksichtigen Sie bei der Berechnung?

Unternehmen können in der Regel gut aufzeigen, wie sich ihre Liquiditätsbestände entwickeln. Gerade für die kälteren Monate machen sie eine gründliche Liquiditätsplanung. Daraus ermitteln wir einen Basiswert. Wir berücksichtigen, dass Wetter-Extremsituationen auftreten können und berücksichtigen einen Risikopuffer. 

Der Genehmigungsvorgang ist sehr schlank: Die Saisonfinanzierung wird wie ein normaler Kredit vorgetragen und dann jeweils für eine definierte, unternehmensindividuelle Periode zugesagt. Die Zusage wird – sofern gewünscht – von Jahr zu Jahr bedarfsgerecht verlängert. In den meisten Fällen endet der Liquiditätsbedarf mit den Jahresendabrechnungen, die Energieversorger an ihre Kunden schicken. Wir schauen jedes Jahr gemeinsam mit dem Unternehmen darauf, wie Investitionen am besten finanziert werden können.

Wie unterscheiden sich Energieversorger in ihren finanziellen Bedürfnissen?

Die Branche ist sehr facettenreich. Es gibt Energieversorger, die sich auf den Netzbetrieb und Erwerb weiterer Netze konzentrieren, den Ausbau von Erzeugungskapazitäten (sowohl eigene als auch fremde Kapazitäten mittels Beteiligungserwerb) und nicht nur in den Bereichen Strom, Gas, Wasser und Fernwärme aktiv sind. Viele Versorger verantworten zusätzlich noch den ÖPNV und teilweise sogar die regionalen Bäder. Kein Energieversorger gleicht dem anderen. Und somit sind auch die finanziellen Bedürfnisse stets individuell und erfordern ein hohes Maß an Beratungsleistung, die wir sehr gerne liefern.

Gibt es Risiken bei der Saisonfinanzierung?

Es ist ein unproblematisches Vorgehen, weil der Energieeinkauf in direkter Beziehung zu dem steht, was die Verbraucher letztlich in der Jahresendabrechnung zahlen werden. Somit ist es ist kalkulierbar. Das Unwägbare sind schwankende Einkaufspreise, die jedoch in großen Teilen bei Bedarf über Preisanpassungen weiter gegeben werden. Über das Geschäftsmodell des jeweiligen Energieversorgers erledigt sich die Finanzierung von selbst.

Herr Schoof, vielen Dank für das Gespräch!

Unsere Spezialisten freuen sich auf Sie

Sprechen Sie uns an – wir beraten Sie gern zu Ihren Vorhaben.

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