Energiewirtschaft

Herausforderungen für die Energiewirtschaft – wie Stadtwerke sich entwickeln können

Individuelle Bankberatung für den volatilen Energiemarkt

veröffentlicht am 26.05.2016 |  
Dirk Schütte

Dirk Schütte

Firmenkunden

Tags: #Energiewirtschaft

Die Situation für Energieversorger hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Die Entwicklung von einst kommunalen Versorgern hin zu Unternehmen auf einem umkämpften Markt bringt zahlreiche Veränderungen mit sich: volatile Marktpreise, eine rasante technologische Entwicklung und die Anforderungen der Energiewende. Im Gespräch erläutert Dirk Schütte, wie ein verlässlicher Bankpartner das Geschäft strategisch unterstützen kann.

Was hat sich für Energieversorger geändert?

Während Stadtwerke früher sehr langfristig planen konnten, stehen sie heute unter dem Druck, sich immer neu auf wechselnde Anforderungen einstellen zu müssen – sowohl ökonomisch als auch regulatorisch. Es geht deshalb für Unternehmen wie Banken um strukturierte Finanzierungen, die oft das bisherige Spektrum erweitern. Banken müssen hier strategisch beraten und verschiedene Finanzierungsinstrumente bereithalten. Deshalb gehören heute beispielsweise Saisonfinanzierungen ebenso dazu wie individuelle Tilgungspläne.

Welche Fragen stellen sich für Energieversorger?

Die Herausforderungen sind gerade in der gegenwärtigen Energiewende sehr vielfältig. Während es in der Energieerzeugung primär darum geht, die vorhandenen Kapazitäten wirtschaftlich am Markt platzieren zu können, steht im Strom- und Gashandel die Kundenbindung und Neukundengewinnung im Fokus. Hier erwarten die Verbraucher ein vielfältiges Tarifangebot, das sowohl preis- als auch umweltbewusste Kunden anspricht. Darüber hinaus ist ein effizientes Management der eigenen Strom- und Gasnetze erforderlich, um angemessene Renditen im Rahmen der sog. Anreizregulierung erwirtschaften zu können. Last but noch least stellen sich viele Stadtwerke die Frage, in welcher Form sie in den weiteren Ausbau der Erneuerbaren Energien investieren können – sei es in Form eigener Projekte oder in Form von Partnermodellen wie bspw. Bürgerwindparks.

Was müssen Stadtwerke bei der Umsetzung ihres Konzepts bedenken?

"Aus unserer Sicht geht es darum, dass die Finanzierung zum Geschäftsmodell passt."
- Dirk Schütte

Aus unserer Sicht geht es darum, dass die Finanzierung zum Geschäftsmodell passt. Konkret bedeutet dies, dass wir uns intensiv mit dem Dienstleistungsportfolio der Stadtwerke beschäftigen, denn neben der Energieversorgung haben diese häufig noch weitere Unternehmensbereiche wie Häfen, Bäder oder den öffentlichen Nahverkehr im Portfolio. Das hängt mit dem sog. steuerlichen Ergebnisverbund zusammen: Verluste in bestimmten Bereichen wie dem ÖPNV werden durch Gewinne in anderen Bereichen wie klassischerweise der Energieversorgung ausgeglichen. Hier müssen wir genau hinsehen, wie profitabel die einzelnen Bereiche sind und welche Finanzierung am besten zu ihnen passt – jetzt und auch in Zukunft.

Als Verbraucher gewinnt man den Eindruck, dass es viele neue Marktteilnehmer gibt – stimmt das?

Viele Anbieter haben ihr Geschäft durch Online-Tarife erweitert und sind jetzt bundesweit aktiv. Früher hatten Verbraucher üblicherweise ihren Stromanschluss bei einem lokalen Anbieter. Heute ist das Angebot überregionaler geworden. Manche Unternehmen versuchen den Kundenverlust im eigenen Gebiet dadurch auszugleichen, dass sie in anderen Regionen neue Kunden suchen. Außerdem gibt es Spezialanbieter, beispielsweise für Ökostrom, die einen besonderen Vertriebsansatz haben. Die Wechselportale im Internet sind ein Indiz, dass Verbraucher vor allem auf den Preis achten. Die Wechselrate liegt bei etwa zehn Prozent, das ist für den Energiemarkt schon recht viel. Stromanbieter müssen daher versuchen, auf die verschiedenen Zielgruppen einzugehen. Es gibt zum Beispiel umweltbewusste Verbraucher, die Ökostrom wünschen und für die ein Ökostromtarif angeboten wird. Manche Stromanbieter haben aber auch noch weitere Tarife, die etwa einen Verbindung zu regionalen Sportvereinen aufweisen, im Programm. Auf diese Weise werden verschiedene Kundengruppen angesprochen.

Wo liegen die Herausforderungen für Stadtwerke auf der Investitionsseite?

Die Gewinne der Stadtwerke sind nicht mehr so hoch wie in der Vergangenheit. Dadurch, dass der Cash-Flow geringer wird, stehen sie vor neuen Herausforderungen. Denn Investitionen sind nicht alle selbst gewählt: Energieversorger haben im Rahmen des Ausbaus der Erneuerbaren Energien beispielsweise eine Anschlusspflicht – das Netz ist eindeutig der größte Investitionsbereich. Manche Stadtwerke investieren auch in „Smart Meter“, also intelligente Ablesevorrichtungen – auch dies sind größere Investitionen. Weil aber die Innenfinanzierungskraft der Stadtwerke nachgelassen hat, ergibt sich auch unter Berücksichtigung berechtigter Dividendenansprüche der meist kommunalen Anteilseigner ein genereller Finanzierungsbedarf. Der saisonale Verbrauch schwankt naturgemäß, so dass im Winter mehr Energie eingekauft werden muss – wir bieten da beispielsweise eine Saisonfinanzierung an.

Wie können Stadtwerke sich auf die Situation einstellen?

Energieversorger müssen moderne Dienstleister werden, die nicht nur Strom oder Gas verkaufen sondern auch angrenzende Dienstleistungen anbieten. Smart Home ist dafür ein gutes Beispiel: Der Kunde kann über eine App den Energieverbrauch intelligent steuern. Damit wird der Stromverbrauch gesenkt, aber es ist auch ein Mittel zur Kundenbindung. Contracting gehört auch zu Wegen, die Kundenbindung zu stärken.

Eine intelligente Steuerung des Stromnetzes ist eine der Herausforderungen in der Entwicklung der nächsten Jahre. Durch intelligente Netztechnik kann eine optimale Ausnutzung der Kapazitäten erreicht werden, und unerwünschte Spitzen können vermieden werden. Ein intelligentes Netz kann auch Informationen über den Energieverbrauch bereitstellen, die bei der Entwicklung neuer Technologien unterstützen. Kleinere Energieunternehmen können diese Entwicklung natürlich nicht allein leisten und schließen sich deshalb in Verbänden und Kooperationen zusammen.

Wie ist die BLB in diese Prozesse eingebunden?

"Contracting ist eine weitere Spezialfinanzierung, die die BLB übernehmen kann, weil wir auch in diesem Bereich erfahrene Mitarbeiter haben."
- Dirk Schütte

Für viele Energieversorger übernehmen wir vor allem die Unternehmensfinanzierung. Darüber hinaus haben wir aber ein Team für Projektfinanzierungen im Bereich Erneuerbare Energien. Wir finanzieren dort vor allem Projekte im Bereich Windenergie.

Contracting ist eine weitere Spezialfinanzierung, die die BLB übernehmen kann, weil wir auch in diesem Bereich erfahrene Mitarbeiter haben.

Doch wir sehen uns nicht nur aktuelle Projekte an, sondern schauen, wie das Unternehmen insgesamt aufgestellt ist, und welche Cash-Flows zu erwarten sind. Wir diskutieren mit Unternehmen das gesamte Geschäftsmodell sehr intensiv. Weil wir an langfristigen, aktiven Kundenbeziehungen interessiert sind, investieren wir gerne in einen intensiven Austausch – einige Energieversorger begleiten wir schon jahrzehntelang.

Wie sieht die Beratungskompetenz der BLB konkret aus?

Wir kennen uns in der Branche sehr gut aus und wissen, vor welchen Herausforderungen der Kunde steht. Wir sehen uns die gesamte strategische Ausrichtung und das Gesamtgeschäft des Kunden an, um einen maßgeschneiderten Finanzierungsplan anbieten zu können.

Über unsere externen und internen Netzwerke können wir Lösungen anbieten, die Wettbewerber so nicht haben. Wir haben beispielsweise eine eigene Leasinggesellschaft, über die wir Mobilien finanzieren können, etwa eine Kfz-Flotte. Wir haben über ein Syndikation-Desk die Möglichkeit, auch großvolumige Finanzierungen auf dem Bankenmarkt zu platzieren, ohne dass der Kunde mit verschiedenen Banken verhandeln muss. Über unsere Projektfinanzierer können wir beispielsweise Windprojekte finanzieren. Auch können wir Kunden in bestehende Netzwerke einbinden. Wenn ein Kunde beispielsweise Onshore-Beteiligungsmöglichkeiten sucht, finden unsere Kollegen ggf. etwas Passendes, denn sie haben einen guten Marktüberblick und wissen, wo ein Projekt noch neue Partner sucht. Aktuell bauen wir eine Kompetenz im Bereich Energiecontracting auf. Spezialisten für Förderkredite haben wir auch im Haus.

Wir versuchen immer, individuelle und optimale Lösungen zu finden. Manchmal ist jedoch auch eine einfache Lösung die richtige – es muss nicht zwangsweise in einen hochkomplexen, strukturierten Finanzierungsansatz münden. Wir kommen nur dann mit einer Lösung aus verschiedenen Finanzprodukten auf den Kunden zu, wenn wir überzeugt sind, dass es die richtige Lösung für ihn ist. Die Angebote, die wir unseren Kunden in der Regel innerhalb weniger Werktage machen, sind immer im Hause abgestimmt und belastbar.

Herr Schütte, vielen Dank für das Gespräch!

Unsere Spezialisten freuen sich auf Sie

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