Agrar- & Ernährungswirtschaft

„Weizenmarkt bietet kaum Preisausschläge nach oben“

Commodity-Tag liefert Experten der Agrarrohstoffbranche wertvolle Erkenntnisse

Im Gespräch mit Hella Otten, Spezialistin für Commodity-Handel, und Dr. Henning Brand-Saßen, Firmenkundenbetreuer im Team Agrarrohstoffkunden der BLB.

Aus Vermarktungssicht  fand der nunmehr siebte Commodity-Tag der BLB in einem spannenden Getreidejahr statt …

Brand-Saßen: Jedes Erntejahr hat seine Besonderheiten, so auch 2016/2017. Dieses Jahr ist Europa, und hier vor allem Frankreich, das Sorgenkind. Durch die schlechte europäische Ernte verschieben sich die Gewichte am weltweiten Exportmarkt. Mehr denn je wird die Schwarzmeerregion die Preise setzen, wobei wir auch die USA als sehr wettbewerbsfähig wahrnehmen.

Otten: Ich denke, preislich haben wir das Erntetief bereits hinter uns und befinden uns momentan in einer Stabilisierungsphase. Der durch den Ölpreis stärker werdende Rubel lässt auch die russischen FOB-Offerten leicht anziehen. Dazu sind einige wichtige Tender von großen Importeuren gelaufen, in denen auch Europa zum Zuge kam. Gerade Qualitätsweizen ist weltweit gefragt. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass der Weizenmarkt strukturell überversorgt ist und somit auch mögliche Preisausschläge nach oben in diesem Erntejahr stark begrenzt sein dürften. 

Sie haben beim Commodity-Tag mit „Neues aus der BLB“ einen neuen Themenblock eingebaut. Warum?

Brand-Saßen: Wir möchten unsere Kunden über aktuelle Themen, Produkte und Entwicklungen informieren. In diesem Jahr berichten wir beispielsweise über den Stand der Umsetzung von MIFID II, neue Möglichkeiten des Online-Tradings sowie die Erweiterung von Absicherungsprodukten an den Warenterminbörsen. Hierzu zählt neben dem EU-Weizenfuture der CME auch der kommende Düngemittelfuture an der EURONEXT.

Als Broker beobachten Sie auch neue Produkte. Wie sehen Sie den neuen EU-Weizenfuture der CME?

Otten: Er ist sehr gut angelaufen. An manchen Handelstagen, zum Beispiel am 19. Oktober 2016, wurde an der Börse ein Volumen von über 1.000 Kontrakten auf einzelne Fälligkeiten gehandelt. Im Vergleich steigt das Open Interest noch nicht entsprechend an. Positiv ist zu bewerten, dass die CME sich sogenannten Market-Maker-Programmen zur Unterstützung der Liquidität bedient. Unsere Kunden beobachten das derzeitige Geschehen an der CME durchaus interessiert. Einige handeln den neuen Kontrakt auch schon.

Digitalisierung und IT-Themen sind momentan in aller Munde. Betrifft das auch den Commodity-Handel?

Otten: Ja, die meisten unserer Kunden tätigen ihre Warentermingeschäfte mittlerweile über ein BLB-Online-Trading-Tool. Seit Anfang 2016 bieten wir dafür eine webbasierte Variante an: den sogenannten „BLB Commodity Trader Mobile“. Damit können unsere Kunden die aktuellen Kurse nicht nur am PC, sondern auch auf ihrem Tablet oder Smartphone abrufen. Auch das Handeln sowie die Konteneinsicht sind mit der mobilen Form möglich. Zudem sind mit dieser modernen Variante die Funktion des Chartings und das Optionstableau neu dazugekommen.

Der Commodity-Tag der BLB spricht den Getreide- und Ölsaatenmarkt an. Sind Sie auch in anderen Bereichen im Bereich der Preissicherung aktiv?

Brand-Saßen: Seit mehr als zwei Jahren sind wir auch im Milchsektor aktiv. Aktuell nehmen wir vor dem Hintergrund der jüngsten Preisentwicklungen ein gestiegenes Interesse an Absicherungsprodukten bei Molkereien und Milcherzeugern wahr. Wichtig ist, dass bei der Implementierung von Warentermingeschäften bei Molkereien ganzheitlich vorgegangen wird. Dies beginnt bei der Erarbeitung einer im Haus abgestimmten Absicherungsstrategie und die Einbindung verschiedener Ebenen wie zum Beispiel Geschäftsführung, Verkauf, Rechnungswesen und Finanzen, Steuern etc. Im kommenden Jahr werden wir unseren zweiten Milchwirtschaftstag durchführen und unter anderem über unsere bisherigen Erfahrungen berichten.


Commodity-Tag

Der Commodity-Tag ist ein etabliertes Format, um die BLB als Spezialist für Agrar- und Ernährungswirtschaft zu präsentieren. In diesem Jahr fand die Veranstaltung bereits zum siebten Mal statt. Sie richtet sich vor allem an Handelsunternehmen aus dem Commodity-Segment, insbesondere aus der Agrarrohstoffbranche. Für unsere Bereiche Firmenkunden und Financial Markets geht es dabei vor allem darum, bestehende Kundenbeziehungen zu pflegen und Türen für neue Geschäftsbeziehungen zu öffnen. Damit will sich die BLB auch als erster Ansprechpartner für Handelsunternehmen aus dem Commodity-Segment positionieren. Medienpartner war wie in den Vorjahren die agrarzeitung. Sie ist nach eigener Aussage das führende Wirtschaftsmedium für alle meinungsbildenden Akteure im Agribusiness.

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