Agrar- & Ernährungswirtschaft

Agrarrohstoffe: Preissicherung und Finanzierung aus einer Hand

Die BLB ist Hausbank und Broker in einem

Im Agribusiness sind die Agrarrohstoffe wie Getreide, Ölsaaten oder Milch der Dreh- und Angelpunkt im täglichen Geschäft. Die Finanzierung und Absicherung ist aufgrund der hohen Preisschwankungen eine große Herausforderung in der Branche. Im Gespräch erläutert der Agraringenieur Dr. Henning Brand-Saßen, Firmenkundenbetreuer bei der BLB, wie man dieser Herausforderung begegnen kann.

Was sind denn die Besonderheiten der Agrarrohstoffe?

Dies fängt schon bei einer ganz einfachen Feststellung an: Agrarrohstoffe sind Naturprodukte. Anders als sonst übliche Rohstoffe, die in der Industrie eingesetzt werden, unterliegen sie einer gewissen Verderblichkeit, Qualitätsschwankungen und können nicht unbegrenzt und regional unabhängig produziert werden. Zudem ist der Markt für Agrarrohstoffe ein globaler, die Warenströme reichen über den gesamten Globus.

Und warum dreht sich im Agribusiness alles um Agrarrohstoffe?

Die meisten Unternehmen im Agribusiness zeichnen sich durch eine hohe Rohstoffintensität aus. Angefangen von der originären Landwirtschaft über die Futtermittelindustrie bis hin zur Mühle, Ernährungsindustrie oder dem Agrarhandel. Daher ist der professionelle Umgang – sei es Verarbeitung oder Handel – sowie die passgenaue Finanzierung und Absicherung gegen Preisschwankungen ein enormer Erfolgsfaktor.

Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die Finanzierung?

Als Bank müssen Sie mit Rohstoffen umgehen können.

Das beginnt bereits bei den Grundlagen. Als Bank müssen sie mit dem Rohstoff umgehen können – schließlich muss dieser bewertet werden. Die Finanzierung muss an das Unternehmen, den Rohstoff und dessen Saisonalität angepasst werden. Daher bieten wir verschiedenste Formen der Ernte-, Lager- oder Betriebsmittelfinanzierung an. Das kann zum Beispiel eine ganz klassische (Saison-)Finanzierung sein, die beispielsweise mit einer sogenannten Borrowing-Base-Vereinbarung unterlegt ist. Das bedeutet, dass der verfügbare Kreditrahmen mit den Beständen „atmet“. Oder auch eine langfristige Bodensatzfinanzierung, um die Finanzierungsstruktur zu verbessern.

Und was sind nicht so klassische Finanzierungsmöglichkeiten?

Dann sprechen wir beispielsweise über die Warenbestandsfinanzierung über Forfaitierungen, also Forderungsverkauf. Dies bietet sich unter anderem an, wenn Ware physisch auf Termin verkauft wird und diese für den Zeitraum bis zur Kaufpreiszahlung finanziert werden muss. Dann kaufen wir als Bank die Forderung gegenüber dem Käufer der Ware an.

Was gilt es bei der Marginfinanzierung zu beachten?

Da wir Broker und Hausbank in einem sind, stellen wir sowohl ein fachlich fundiertes Brokerage als auch die Marginfinanzierung, das heißt die Finanzierung der von der Börse vorgesehenen Sicherheitsleistungen, aus einer Hand dar. Hierdurch können wir beispielsweise in Hochpreisphasen schnell reagieren und zusätzliche Liquidität bereitstellen. Außerdem ist in solchen Phasen eine höhere Werthaltigkeit und Finanzierbarkeit der Bestände gegeben, da sie direkt über uns preisgesichert sind. Weiterhin schätzen unsere Kunden, dass wir uns im deutschen Rechtsraum bewegen und die Marginguthaben den Sicherungssystemen des deutschen Sparkassen- und Giroverbands unterliegen.

Sie sprachen auch das Thema Preissicherung an. An welchen Börsen handelt die BLB?

Unsere Kunden handeln über uns in erster Linie Weizen- und Raps-Kontrakte an der Euronext in Paris, aber auch Weizen-, Soja- und Mais-Kontrakte an der CBoT in Chicago. Ferner bieten wir unseren Kunden im Bereich der Preisabsicherung von Diesel, Kakao oder Baumwolle auch Kontrakte an der Börse ICE in London an. Der Bereich Milchprodukte (Butter, Magermilchpulver) ist noch recht jung. Hier bestehen seit 2010 Kontrakte, die mittlerweile an der EEX in Leipzig gehandelt werden können. Wir stehen momentan mit vielen Molkereien in intensiven Gesprächen, um unser jahrzehntelanges Know-how gewinnbringend für den Milchsektor einsetzen zu können.

Um welche Risiken geht es dabei konkret?

Im Mittelpunkt steht das Preisänderungsrisiko von Agrarrohstoffen. Denn Preisschwankungen können bei hohen Wareneinsätzen bzw. -umschlägen existenzbedrohend wirken. Dies gilt vor allem dann, wenn ein Unternehmen einen hohen Anteil offener Positionen halten muss – also beispielsweise Einkaufspositionen, denen am physischen Markt noch kein Verkaufskontrakt entgegensteht. Fällt bis zum Abschluss des Verkaufs der Marktpreis des Rohstoffs, drohen Verluste. Aktuell führen wir intensive Gespräche mit Molkereien und Milchverarbeitern.

Gibt es einen Trend im Warentermingeschäft?

Wir stellen fest, dass Kunden vermehrt auch Optionen nutzen. Mittels dieser Optionen verfeinern sie ihr Risikomanagement oder bieten wiederum ihren Kunden einen Mehrwert. Beispielsweise können Agrarhändler ihren Landwirten schon vor der Ernte nicht nur einen Mindestpreis über die Börse sichern, sondern auch ein gewisses Preisband gewährleisten. Landwirte profitieren damit von Preissteigerungen, fallen aber nicht unter den festgelegten Preis. Weiterhin nimmt der Trend zu, unseren BLB-Commodity-Trader zu nutzen. In Kürze werden wir auch eine mobile Version dieses Traders präsentieren. Dann sind unsere Kunden noch flexibler.

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