Agrar- & Ernährungswirtschaft

Klare Vorgaben für Warenderivate

Agrarzeitung: Interview mit Hella Otten, Spezialistin für Risikomanagement Agrar, und Dr. Henning Brand-Saßen, Spezialist für Ernährungswirtschaft, NORD/LB, Bremen

Ölsaaten hängen am Tropf der Politik. Wie sich ihre Preise entwickeln, lässt sich nur schwer vorhersagen. Eine zentrale Frage, in welche Richtung es geht, ist, ob die USA künftig – wie angekündigt – Einfuhrzölle auf argentinischen Biodiesel erheben werden. Dieser Punkt sowie weitere spannende Themen standen auf der Agenda des Commodity-Tages der NORD/LB. Die Veranstaltung, die von der ehemaligen Bremer Landesbank (BLB) ins Leben gerufen wurde, richtet sich vor allem an Handelsunternehmen aus dem Commodity-Segment, insbesondere aus der Agrarrohstoffbranche, sowie an Verarbeiter wie Mühlen oder die Futtermittel- und Ernährungswirtschaft. Sie fand nunmehr zum achten Mal statt – erstmalig in der neuen Eigentümerstruktur.

Wie beurteilen Sie die Situation auf dem Ölsaaten-Markt?

Otten: Entscheidend für die Preisentwicklung ist hier tatsächlich das Verhalten der USA. Führen die USA die beschlossenen Zölle ein, dann wird die ohnehin schon enge Soja-Öl-Bilanz nicht aufgehen und Biodiesel verstärkt den Weg nach Europa finden. Kommen die Zölle nicht, werden die USA Hauptabnehmer bleiben und an der heutigen Situation wird sich nichts ändern.

Blicken wir auf die Getreidemärkte. Geht es hier noch weiter nach unten?

Otten: Die weltweite Versorgungslage im Getreidemarkt ist wie in den vergangenen Jahren wieder einmal sehr gut. Das Preisniveau befindet sich dementsprechend auf niedrigem Niveau. Im Weizenmarkt beherrschen zurzeit die russische Rekordernte und deren internationale Vermarktung die Nachrichtenlage. Die russischen Weizenexporte sind in der aktuellen Kampagne (ab 1. Juli) mit ca. 11 Mio.t. Weizenexporten ca. 16 Prozent über dem Vorjahr. Erst wenn die Exporte aus Europa merklich anziehen, haben wir Preisspielraum nach oben.

Ein weiteres heiß diskutiertes Thema ist die neue MiFID II-Richtlinie, die ab Januar 2018 von Bedeutung sein wird. Sie soll unter anderem Warenderivatemärkte stärker regulieren.

Brand-Saßen: In der Tat spielt für uns und unsere Kunden das Thema Positionslimite eine bedeutende Rolle. Nach MiFID II gibt es klare Vorgaben, wie hoch die maximale Anzahl von Warenderivaten einer natürlichen oder auch juristischen Person sein darf.

Otten: Bei den Positionslimits handelt es sich genauer gesagt um zwei Positionslimits. Es gibt zum einen den sogenannten „ Spot-Monat“-Limit, dessen Laufzeit gemäß den Regeln des Handelsplatzes als nächstes endet. Das zweite Limit besteht für alle danach fällig werdenden Kontrakte.

Wie wird das Ganze überprüft?

Otten: Nationale Bankenaufsichtsbehörden sind verpflichtet, Positionslimits für alle Warenderivate festzulegen und deren Einhaltung an den Handelsplätzen zu überwachen. Die festgelegten Positionslimits werden auf der Homepage der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde ESMA publiziert.

Kann man sich vor Limitüberschreitungen schützen oder im Vorwege Vorkehrungen treffen?

Brand-Saßen: Ja, wir empfehlen unseren Kunden, die mit ihren Handelsvolumina in die Nähe der Positionslimits geraten könnten, einen Hedging-Antrag bei der zuständigen Behörde zu stellen. Unsere Kunden wurden vorab ausführlich darüber informiert. Im Rahmen des Commodity-Tages haben wir dann auch Fragen unserer Gäste zu diesem komplexen Thema beantwortet.

Otten: Zudem haben wir durch die Fusion von BLB und NORD/LB unsere große Researchabteilung mit verschiedenen Marktberichten vorgestellt: Die Publikation Country View greift länderspezifische Spezialthemen auf. Der Strategy View widmet sich Finanzmarkt relevanten Spezialthemen sowie ad hoc-Ereignissen und liefert dazugehörige marktstrategische Einschätzungen. Und im Economic Adviser nehmen wir Stellung zu makroökonomischen Entwicklungen und erläutern Konjunktur-, Zins- und Wechselkursprognosen. Darüber hinaus bieten wir unseren Kunden selbstverständlich auch weiterhin den Commodity Weekly, eine wöchentliche Chartanalye zu den Märkten, an: Weizen an der Euronext, Raps an der Euronext sowie Sojaschrot, Sojabohne, Mais und Weizen an der CBOT.

In diesem Jahr haben Sie dem Commodity-Tag erstmalig ein Branchentreffen für Frauen mit dem Titel „Women in Agribusiness“ vorgeschaltet. Warum?

Otten: In der Getreide- und Ölsaatenbranche gibt es nur sehr wenige Frauen in Fach- und Führungspositionen. Umso wichtiger ist es, sich persönlich zu kennen, Netzwerke zu bilden und Mentoren und Helfer für sich zu gewinnen. Mit unserem Workshop wollen wir den Netzwerkgedanken stärken und dazu beitragen, dass die Teilnehmerinnen voneinander profitieren – auch, weil die Kommunikationsebene von Frauen eine andere ist als bei Männern.

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