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Marktausblick November 2017

DAX: Von unterbewertet zu fair bewertet!

veröffentlicht am 03.11.2017 |  
Folker Hellmeyer

Folker Hellmeyer

Chefanalyst

Die positiven konjunkturellen Überraschungen lieferte in den letzten zwei Monaten unverändert Kontinentaleuropa.
Politisch sah es jedoch weniger positiv aus. Die weiterhin nicht entschärfte Katalonien-Krise steht im Raum. Autonomiebestrebungen in Venetien und der Lombardei beschäftigen Italien. Die Bundestagswahl zwingt in eine Jamaika-Koalition, deren Schnittmengen aller Voraussicht überschaubar bleiben und das Risiko einer politischen Lähmung inkludieren. In Tschechien kommt es zu einem Rechtsruck, der weitere Fissuren in der politischen Homogenität der EU riskiert. Die Brexit-Gespräche liefern dank der Position, die das UK einnimmt, ein erhöhtes Risiko, die schlechteste aller Lösungen, den WTO-Status des UK im Handel mit der EU, zu forcieren.

IWF-Prognose Positiv

Für die Weltwirtschaft sieht das Bild durchaus positiv aus. In der Prognoseanpassung des IWF per Oktober 2017 revidierte das Institut die Prognose für das Wachstum des BIP auf 3,6%. Damit wurde der untere Rand unserer Jahresprognose auch vom IWF erreicht. Die Prognosen wurden unter anderem für die Eurozone und auch für China heraufgestuft.
Bezüglich der Weltkonjunktur stellen politische Unruheherde von der Ukraine über Syrien bis zu Nordkorea die Primärrisiken, die alle Ausdruck einer hegemonialen Auseinandersetzung sind, dar.

China weiterhin positiv

Aus China kamen weiterhin positive Konjunkturdaten. Nach einem starken ersten Halbjahr mit einem Wachstum von 6,9% im Jahresvergleich lieferte das dritte Quartal eine Expansion um 6,8%. Das Projekt One Belt – One Road“, das die Seidenstraße inkludiert, wirkt sich aus. Zunehmend nimmt auch die westliche Presse zu einem sehr späten Zeitpunkt dieses Thema in Ansätzen auf.

USA eher fragil und undynamisch

Aus den USA erreichen uns weiterhin Signale, die Fragilität oder unterproportionale Dynamik andeuten. Die Stimmungsindikatoren stehen überwiegend in krasser Divergenz zu den belastbaren Daten. Gleichwohl wird die Story weiter steigender Zinsen durch die US-Zentralbank bedient. Seit nahezu zwölf Monaten wabernde sportliche Erwartungen des Marktes bezüglich der Steuerreform, losgelöst von den bisherigen Enttäuschungen,  sind zu großen Teilen Anker dieses Optimismus.

Haushaltsanpassungen in Eurozone und USA

Bezüglich der Haushaltsdefizite kam es seitens des IWF (Fiscal Monitor) für die Eurozone zu einer Anpassung der Defizitprognose auf 1,3% nach zuvor 1,5%. Dagegen wurde die Prognose für das US-Haushaltsdefizit von 4,0% auf 4,3% angehoben. Der Qualitätsunterschied pro Eurozone ist augenfällig.

EZB Anpassungen langsam und schwerfällig

Für die EZB entsteht vor dem Hintergrund der markanten Belebung der Konjunkturlage bei gleichzeitig hochwertigen Qualitätsaspekten mit maßgeblich wiederkehrenden Einkommen als Basis des Wachstums Handlungsdruck, sich von der extremen Zins- und Geldpolitik sukzessive zu verabschieden.
Die Verlautbarungen, die uns seitens der EZB erreichen sind bezüglich der von der EZB nicht erwarteten positiven Dynamik noch überschaubar. Dem Markt wird und wurde bisher verdeutlicht, dass die Anpassungen langsam und schwerfällig implementiert werden. Wir sind gezwungen, diese Sichtweisen und voraussichtlichen Handlungsraster zur Kenntnis zu nehmen.
 
Unverändert ergibt sich zwischen den USA einerseits und der Eurozone und China, stellvertretend für die aufstrebenden Länder, eine zunehmende konjunkturelle, aber vor allen Dingen strukturelle Divergenz zu Gunsten der Eurozone und Chinas.

DAX: Von unterbewertet zu fair bewertet!

Trotz der zuvor thematisierten politischen Dissonanzen konnte der DAX seit Juli von 11.880 bis auf 13.094 Punkte in der Spitze zulegen. Der Markt fokussierte sich auf das konjunkturelle Bild, ohne das politische Bild voll zu diskontieren. Diese Asymmetrie der Diskontierung birgt zunehmende Risiken. Das gilt vor allen Dingen auch vor dem Hintergrund der mittlerweile sehr hohen Bewertung der US-Märkte, die unverändert eine Schlüsselfunktion der Weltfinanzmärkte innehaben.Damit liefert die Bewertung des DAX eine faire Bewertung im historischen Kontext. Die Zeit der Unterbewertung ist auf dem aktuellen Niveau jenseits von 13.000 Punkten abgeschlossen.

Folker Hellmeyer
Chefanalyst

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