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Marktausblick September 2017

Eurozone die positive Überraschung 2017 - Bundestagswahl im Fokus

veröffentlicht am 06.09.2017 |  
Folker Hellmeyer

Folker Hellmeyer

Chefanalyst

Die größten positiven Überraschungen lieferte politisch als auch konjunkturell in den letzten zwei Monaten unverändert Kontinentaleuropa. Wir freuen uns sehr, dass damit sogar unsere positiv für die Eurozone hervorstechende Prognose im Jahresausblick, die ein globales Alleinstellungsmerkmal war, aus dem Jahresausblick übertroffen wird.

Daten, wie an einer Perlenschnur

Das BIP der Eurozone wuchs das erste Halbjahr um 2,4% in der auf das Jahr hochgerechneten Fassung. Die Arbeitslosenquote markierte mit 9,1% die niedrigste Quote seit Beginn 2009. Die öffentlichen Haushaltsdefizite sinken voraussichtlich deutlich unter die Marke von 1,5% in Richtung 1% des BIP bei soliden Handelsbilanzüberschüssen in Höhe von 20 – 30 Mrd. Euro monatlich.
Die Stimmungsindikatoren implizieren eine nachhaltige Fortsetzung dieses vom Mainstream nicht erwarteten Trends.
Der Economic Sentiment Index der Eurozone markierte den höchsten Wert seit 2007! Der deutsche IFO Index oszilliert auf den höchsten Niveaus in der Historie dieses Index. Portugals Index des Verbrauchervertrauens bewegt sich auf den historisch höchsten Werten (Charts nur bis Ende 1997 verfügbar). Der Geschäftsklimaindex in Portugal bewegt sich auf den höchsten Niveaus seit Ende 2001. Das italienische Barometer für das Geschäftsklima erreichte den höchsten Wert seit 2007.
Entscheidend ist zusätzlich, dass wiederkehrende Einkommen die entscheidende Basis für den Aufschwung der Eurozone darstellen.  Der Kreditzyklus springt erst allmählich an. Zuletzt lag die Zunahme der Kredite im Unternehmenssektor bei 2,4% und bei den privaten Haushalten bei 2,6% im Jahresvergleich. Sollte diese Zyklus stärker zulegen, würde sich die Wachstumsdynamik der Eurozone noch einmal markant verschärfen.

Handlungsdruck für EZB

Für die EZB entsteht vor diesem Hintergrund zunehmend Handlungsdruck, sich von der extremen Zins- und Geldpolitik sukzessive zu verabschieden. Die Verlautbarungen, die uns seitens der EZB erreichen sind bezüglich der von der EZB nicht erwarteten positiven Dynamik recht überschaubar. Dem Markt wird und wurde verdeutlicht, dass die Anpassungen recht langsam und schwerfällig implementiert werden. Wir sind gezwungen, diese Sichtweisen und voraussichtlichen Handlungsraster zur Kenntnis zu nehmen.

Bundestagswahlen: „Die deutschen mögen keine Veränderungen“

Nachdem der europäische Wahlmarathon bisher keine Verwerfungen mit sich brachte, ist hinsichtlich der profund starken Konjunkturlage Deutschlands und der Eurozone und der abnehmenden strukturellen Defizite keine nachhaltig belastende politische Formation bei den anstehenden Bundestagswahlen zu erwarten. Die Deutschen mögen keine Veränderungen. Also wird es Kanzlerin Merkel mit Option A oder Option B. Die Marktrelevanz wird sehr überschaubar und nicht belastend sein.

USA’s konjunkturelle Lage im Vergleich zur Entwicklung Europas und Chinas negativ

Aus China kamen weiterhin positive Konjunkturdaten. Nach einem starken ersten Quartal (6,9%) hat sich auch ein starkes Wachstum im zweiten Quartal (6,9%) ergeben. Das Projekt Seidenstraße wirkt sich aus. Auch hier freuen wir uns über die Prognosequalität aus dem Jahresausblick.

Aus den USA erreichen uns zunehmend Signale, die Fragilität oder unterproportionale Dynamik andeuten. Die Stimmungsindikatoren stehen überwiegend in krasser Dissonanz zu den belastbaren Daten. Die politische als auch die konjunkturelle Lage hebt sich damit negativ im Verhältnis zu den Entwicklungen der Weltwirtschaft ab.
 
Ergo ergibt sich zwischen den USA einerseits und der Eurozone und China, stellvertretend für die aufstrebenden Länder, eine zunehmende konjunkturelle, aber vor allen Dingen strukturelle Divergenz zu Gunsten der Eurozone und Chinas.

Geopolitische Risiken, aktuell in der akuten Form erkennbar in der Nordkoreakrise, bleiben auf der Agenda und bilden korreliert mit der Struktur- und Konjunkturschwäche der USA und in zunehmenden Maße auch im UK die Hauptrisiken für das positive globale Basisszenario, an dem wir aber weiter festhalten.

DAX-Korrektur weitgehend abgeschlossen

Der DAX markierte als Folge der Risikocluster geopolitischer Natur als auch der sportlichen Bewertung des Euros gegenüber dem USD (Höchstkurs 1.2070 EUR/USD) kurzfristig Niveaus bei 11.880 Punkten. Damit sollte die Korrektur weitgehend abgeschlossen sein, da die Bewertungsindikatoren damit sehr attraktiv sind (KGV circa 13, Dividendenrendite 3%).


Das Kapitalmarktzinsniveau sollte sich im Jahresverlauf weiter erhöhen.

Folker Hellmeyer
Chefanalyst

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