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Marktausblick 2017

Chefanalyst Folker Hellmeyer über die Entwicklungen der Märkte

veröffentlicht am 23.12.2016 |  
Folker Hellmeyer

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Chefanalyst

Rückblick auf 2016

Was für ein dramatisches Jahr liegt hinter uns! Anfangs Angst um Chinas Konjunkturlage, ein vom Mainstream unerwarteter Brexit, europäische Flüchtlingskrise mit der Folge nicht unerheblicher Disharmonien in der EU und dann die vom Mainstream unerwarteten Wahl Donald Trumps. Die Ergebnisse, die dieser Konfluenz exogener Einflüsse auf die Konjunkturlagen in unterschiedlichen Wirtschafts- und Währungsräumen folgten, sind durchaus erstaunlich.
Das vermeintliche Sorgenkind China konnte mit einem voraussichtlichen BIP-Wachstum von 6,7 Prozent die bei 6,3 Prozent (IWF) angesiedelten Prognosen deutlich übertreffen. Auch die Eurozone übertraf mit 1,7 Prozent Wachstum leicht die bei 1,6 Prozent angesiedelte Prognose, während die USA mit 1,6 Prozent Wachstum die bei 2,8 Prozent liegende Prognose deutlich verfehlten.
Mehr noch ergaben sich in den Schwellenländern, allen voran in Russland, im zweiten Halbjahr markante Stabilisierungserfolge auch als Folge der gestiegenen Energie- und Industriemetallpreise.

Ausblick 2017

Der Blick in das kommende Jahr 2017 fällt bezüglich der Weltkonjunkturlage positiv aus. Die Rahmendaten von den Finanzmärkten, insbesondere von der Zinsfront, bleiben unterstützend, auch wenn sich nominale Zinssteigerungen am Kapitalmarkt in den USA und der Eurozone einstellen werden. Da dieser nominale Zinsanstieg aber geringer ausfallen wird als der Preisanstieg, bleibt die Wirkung des Realzinsniveaus grundsätzlich unterstützend.
Das von „President Elect“ Trump angekündigte Ende der „Regime Change-Politik“ der USA einerseits, als auch die Ankündigung einer Normalisierung der Beziehungen zu Russland andererseits, implizieren nach vorne schauend eine deutliche Verringerung der globalen Risikolage, die grundsätzlich eine größere Investitionsbereitschaft auf internationaler Ebene zur Folge haben wird. Diese Effekte treten jedoch zeitversetzt ein und wirken tendenziell frühestens im 2. Halbjahr 2017 und stärker ab 2018.
Das historisch einmalig große Infrastrukturprojekt „One Belt – One Road“, das von Moskau über Wladiwostok, bis China, Indien, Arabien und partiell bis Afrika reicht, wird zunehmend der maßgebliche Wachstumstreiber der Weltwirtschaft, nachdem sich unseren Erwartungen entsprechend erste messbare Einflüsse ab Mitte 2016 einstellten. Ergo sollte das Wachstum der aufstrebenden Länder per 2017 deutlich von 4,1 Prozent per 2016 (IWF) auf circa 4,8 Prozent zulegen.
Der eine höhere Rohstoffnachfrage bedingende Aufbau der Infrastruktur leistet als Primäreffekt den ersten Wachstumsimpuls, auch für die rohstoffproduzierenden Länder. Die Erschließung des Humankapitals in diesen mangels Infrastrukturanbindung bisher abgehängten Regionen wird 1,5 Mrd. Menschen von einer Weltbevölkerung in Höhe von 7,5 Mrd. Menschen vom Rand der Weltwirtschaft sukzessive ins Zentrum rücken. Damit ergeben sich konjunkturell Sekundär- und Tertiärimpulse für die Konjunkturlagen dieser Länder.

Die konjunkturelle Musik spielt weniger im Westen!

Mehr noch wendet sich der Westen zunehmend dieser von China initiierten Agenda zu. Sowohl Donald Trump als auch die EU planen massive Infrastrukturprojekte, deren Wirksamkeit aber erst ab Mitte 2018 in zarten Ansätzen spürbar werden kann. Es reift auch in supranationalen Veranstaltungen wie dem IWF und der Weltbank die Erkenntnis, dass die westliche Interventionspolitik via Zins und quantitativen Maßnahmen an ihre Grenzen stößt.
Neben den aufstrebenden Ländern wird die Eurozone auch 2017 dank der bisher vollzogenen Strukturreformen mit einem Wachstumsclip zwischen 1,7 Prozent - 2,0 Prozent positive Impulse setzen, die maßgebliche und partiell unerwartete „konjunkturelle Musik“ erreicht uns 2017 aber aus den aufstrebenden Ländern.

Folker Hellmeyer
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