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Marktausblick September 2016

Chefanalyst Folker Hellmeyer über die Entwicklungen der Märkte

veröffentlicht am 02.09.2016 |  
Folker Hellmeyer

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Chefanalyst

Unübersichtliche Gemengelage und US-Zinserhöhungen?

Das Brexit-Votum wurde unseren Erwartungen entsprechend schnell weggesteckt. Der DAX konnte nach einem Schwächeanfall auf circa 9.200 Punkte in der Folge neue Jahreshöchststände jenseits der 10.800er Marke erreichen und konsolidiert diesen Anstieg derzeit.
Die Konjunkturdaten aus der Eurozone waren von Solidität in der moderaten Expansion geprägt. So lag der Wachstumsclip im ersten Halbjahr 2016 bei 2% deutlich oberhalb der Konsensusprognose im Mainstream. Die Qualität der Expansion ist bestechend, da sie maßgeblich von wiederkehrenden Einkommen und in einer Durchschnittsbetrachtung geringen öffentlichen Neuverschuldung (1,9% des BIP, USA höher als 4%) geprägt ist.
Dieses Konjunkturbild der Eurozone spiegelt sich weder in den USA, Japan noch dem UK. Alle drei Länder verweigerten sich zu großen Teil der Reformpolitik.
Die sachlich nicht zu rechtfertigenden optimistischen Töne aus der Federal Reserve bezüglich der Gesamtwirtschaftslage in den USA, der geringen Arbeitslosenquote bei 4,9%, die aber in der Qualität nicht vergleichbar mit dem Pendant der Eurozone ist, und der angezogenen Preisinflation (Kernrate 2,2%) überraschen durchaus.
Aus dieser Gemengelage bereitet die US-Zentralbank den Markt auf Zinserhöhungen vor. Das Treffen in Jackson Hole lieferte eine fulminante Vollkaskoverbalakrobatik für mindestens eine Zinserhöhung im laufenden Jahr.

In den USA sind wir mit ernüchternden Konjunktursignalen konfrontiert. So lag der auf das Jahr hochgerechnete Wachstumsclip der US-Wirtschaft im 1. Halbjahr 2016 mit 0,95% massiv unter den Prognosen der Finanzmärkte und der US-Zentralbank.
Die Qualität der US-Expansion basiert maßgeblich auf Kredit und Staatsverschuldung. Die Strukturdaten sind ernüchternd. Die Bewertungen an den Finanzmärkten sind ambitioniert. JP Morgan sieht das Rezessionsrisiko in den USA mittlerweile bei 37%. Das entspricht dem höchsten Niveau seit Beginn des Aufschwungs 2009/2010.

Das Bild einer unterproportional wachsenden Ökonomie mit Strukturmängeln als Basis verbunden mit zunehmender Preisinflation kennt man als Stagflation.
Zinserhöhungen sind dann eben nicht Ausdruck endogener Stärke einer Volkswirtschaft, sondern Ausdruck einer Inflationsbekämpfung, die die Konjunkturschwäche verstärkt.
Die Frühindikatoren der aufstrebenden Länder unter Führung Chinas weisen nach oben. Das Thema Seidenstraße entwickelt erste zarte Blüten. Chinas angebliche Konjunkturschwäche macht plötzlich keine lauten Schlagzeilen mehr.

Zusammengefasst ergibt sich ein divergentes Bild in der Weltkonjunktur, eine unübersichtliche Gemengelage.
Kontinentaleuropa und die aufstrebenden Länder, die für circa 75% der Weltwirtschaft stehen, sind im moderaten Wachstumstempo stabil. USA, Japan und UK sind aus konjunktureller Sicht die Nachzügler. Insgesamt ist dennoch ein auskömmliches Grundrauschen im Wachstum der Weltwirtschaft von 3% gewährleistet.

Bezüglich der sportlichen Bewertung der US-Aktienmärkte (KGV) und der Vorbereitung auf mindestens eine Zinserhöhung der US-Zentralbank sind Korrekturen bis zu 10% an den westlichen Aktienmärkten nicht auszuschließen. Das Motto lautet für die kommenden Monate, in Schwäche weiter Qualitätstitel zu akkumulieren.

Folker Hellmeyer
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