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Marktausblick Juli 2017

Chefanalyst Folker Hellmeyer über die Entwicklungen der Märkte

veröffentlicht am 29.06.2017 |  
Folker Hellmeyer

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Chefanalyst

Kontinentaleuropa stark – EZB-reagiert zart!    

Die größten positiven Überraschungen lieferte politisch als auch konjunkturell in den letzten zwei Monaten weiterhin Kontinentaleuropa.

Die Wahlen in Frankreich haben nicht die Ergebnisse geliefert, die die Europaskeptiker erwünschten, erwarteten oder unterstellten. Ganz im Gegenteil ist mit Präsident Macron, gestützt durch eine breite parlamentarische Mehrheit, eine Person in Paris in Amt und Würden, der für die EU, die Eurozone und den Euro frischen Wind mit sich bringt. Kontinentaleuropa kommt als Folge konjunkturell und politisch in  Bewegung. Der Staffelstab ist auch von Berlin aufgenommen worden. Man ist in Berlin bereit, das Geschäftsmodell der EU den Erfahrungen gemäß anzupassen und eine stärkere demokratisch legitimierte Integration perspektivisch auf die Beine zu stellen. Den Lippenbekenntnissen müssen aber auch Taten folgen.  

Konjunkturdaten aus der Eurozone positiv

Der aktuelle Economic Sentiment Indikator für den Monat Mai 2017 bewegt sich mit 109,2 Punkten nahe des höchsten Niveaus seit 2007. In Deutschland markiert der viel beachtete IFO-Index das höchste Niveau seiner Geschichte. Die Einkaufsmanagerindices Frankreichs mäandern auf den höchsten Niveaus seit sechs Jahren.

Anders als in den USA springen in Kontinentaleuropa jedoch nicht nur die Sentimentdaten an, sondern die harten Wirtschaftsdaten stehen in einem sinnvollen Einklang mit diesen Tendenzen. In der Folge sehen sich derzeit viele Institutionen, unter ihnen der IWF, die führenden Wirtschaftsinstitute und die deutsche Bundesregierung, gezwungen, ihre Wachstumsprognosen für Deutschland und die Eurozone für das laufende Jahr, aber auch kommende Jahr nach oben anzupassen.  

Für die EZB entsteht vor diesem Hintergrund zunehmend Handlungsdruck, sich von der extremen Zins- und Geldpolitik sukzessive zu verabschieden. Richtung Juni 2017 sollte ein zarter Einstieg in den Ausstieg aus der Extrempolitik geliefert werden, schrieben wir in der Aprilausgabe. Genau das wurde am 27. Juni 2017 von Mario Draghi geliefert. Das Thema Zinswende wurde verbal moderat vorbereitet, indem er die Nachhaltigkeit des Aufschwungs nicht mehr in Frage stellte und das Thema Inflation so adressierte, dass eine Neuausrichtung, wenn auch in zarter Form, belastbar eingeleitet wird.  

Aus China kamen weiterhin positive Konjunkturdaten. Nach einem starken ersten Quartal, soll sich die positive Dynamik laut Regierung weiter erhöht haben. Das Projekt Seidenstraße wirkt sich aus.  

USA Stimmungsindikatoren geben nach

Aus den USA erreichen uns zunehmend Signale, die Fragilität andeuten. Die Stimmungsindikatoren beginnen nachzugeben. Die harten Daten überzeugen nicht. Der makoökonomische Überraschungsindex der Citigroup sank auf den tiefsten Wert seit 2011. Ergo ergibt sich zwischen den USA einerseits und der Eurozone und China, stellvertretend für die aufstrebenden Länder, eine zunehmende konjunkturelle, aber vor allen Dingen strukturelle Divergenz zu Gunsten der Eurozone und Chinas. Im bilateralen Verhältnis zu den USA sollte das in der Bewertung des Euros eine zunehmende Rolle spielen.  

Geopolitische Risiken bleiben auf der Agenda und bilden korreliert mit der Struktur- und Konjunkturschwäche der USA die Hauptrisiken für das hier thematisierte Basisszenario.Die Chancen der Deeskalation sind seitens der Trump-Administration im Umgang mit Russland und China nicht wahrgenommen worden. Die Hotspots Nordkorea, Südchinesisches Meer, Syrien und Ukraine belasten weiter.  

DAX auf historischen Höchstmarken

Der DAX markierte als Folge der Risikocluster zögerlich neue historische Höchstmarken bei 12.961 Punkten und konsolidiert diesen Anstieg seitdem. Weiterer Aufwärtsspielraum ist gegeben. Technische Korrekturen bis in den Bereich von circa 12.200 Punkten können nicht ausgeschlossen werden.

Die Bewertung ist bezüglich des Kurs-Gewinnverhältnisses als auch der Dividendenrendite unverändert konservativ.  

Das Kapitalmarktzinsniveau sollte sich im Jahresverlauf weiter erhöhen. Von derzeit 0,32% sollte die Rendite der 10 jährigen Bundesanleihe Richtung Jahresende das Niveau um 0,80% - 1,00% ansteuern.

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