Forex-Reports & Marktberichte

Marktausblick März 2017

Chefanalyst Folker Hellmeyer über die Entwicklungen der Märkte

veröffentlicht am 28.02.2017 |  
Folker Hellmeyer

Folker Hellmeyer

Chefanalyst

Kontinentaleuropa auf der Überholspur – USA Euphorie ohne Fakten!

Die ersten zwei Monate des Jahres 2017 liegen hinter uns. Auf den Märkten überwiegt zunächst eine stabile Seitenlage. Die erhöhten Niveaus auf den Aktienmärkten und damit die leicht überkauften Lagen aus technischer Sicht werden bisher weitestgehend in einer Konsolidierung und nicht in einer Korrektur abgearbeitet. Das Kapitalmarktzinsniveau bewegt sich in Europa vor den anstehenden Wahlen insbesondere in Frankreich in nervöser Manier. Der Euro hat sich nach den aggressiven Verkäufen stabilisiert.

Die volkswirtschaftlichen Daten aus der Eurozone setzten zu Jahresbeginn nachhaltige positive Akzente, die weder vom Mainstream, noch von der EZB erwartet wurden.
Im zweiten Halbjahr stellte sich das Wachstum im Jahresvergleich auf 1,8%. Das ist deutlich oberhalb der so genannten Potentialwachstumsrate der EZB. Mehr noch basiert das Wachstum maßgeblich auf wiederkehrenden Einkommen, ein dramatischer Unterschied zu dem auf Kredit basierenden Wachstum der USA.  
Die Sentimentindikatoren, ob von Seiten der OECD, des britischen Anbieters Markit oder von der Europäischen Kommission bewegen sich auf mehrjährigen Höchstwerten.
Die Arbeitsmarktdaten sind mehr als erfrischend. So ging die Quote von 10,5% binnen Jahresfrist auf 9,6% zurück. Damit befindet sie sich auf dem Tiefststand seit 2009.
Aktive Handelsbilanzen und rückläufige öffentliche Haushaltsdefizite (2016 unter 2% des BIP) sind Ausdruck einer ausgeprägten Widerstandsfähigkeit der wirtschaftlichen Expansion der Eurozone, die unseres Erachtens sowohl vom Mainstream als auch seitens der EZB unverändert unterschätzt wird. Die Eurozone ist auf der Überholspur!

Der Blick über den Atlantik liefert eine unstete Gemengelage. Der US-Präsident agiert disruptiv. Das bedingt Risiken und Chancen. Fakt ist, dass weder die geplanten Steuersenkungen, noch die geplanten Infrastrukturmaßnahmen im Kalenderjahr 2017 tragende Elemente des Wachstums werden. Damit ist in der Phase ab Mitte 2018 zu rechnen. Ergo werden die USA auch 2017 bezüglich des BIP enttäuschen. Die harten US-Daten liefern keine positiven Impulse, die Sentimentindikatoren bewegen sich auf vieljährigen Höchstpunkten. Diese Divergenz wird sich zu Lasten der Sentimentindikatoren in den kommenden Monaten auflösen.

Dagegen werden die aufstrebenden Länder solide und zunehmende wirtschaftliche Dynamik erfahren. Das Projekt „One Belt – One Road“ bleibt ein elementarer Wachstumstreiber.

Im ersten Halbjahr bleibt das Thema politsicher Risiken akut. Wahlen in Frankreich, in den Niederlanden, voraussichtlich in Italien und  am 24. September in Deutschland bieten den Märkten Nester der Unsicherheit. Diese Unsicherheiten können sich in erhöhter Volatilität und temporärer Risikoaversion ausdrücken.
Ich erwarte, dass es bei den Wahlen auch im Hinblick auf die positive Wirtschaftslage der Eurozone mit einer Wahrscheinlichkeit von 85% zu keinen nachhaltigen Unfällen kommt.

Für die Aktienmärkte impliziert diese Gemengelage auf Sicht der kommenden Monate begrenztes Rückschlagpotential. Für den Euro ergibt sich eine Bodenbildung im ersten Quartal mit Potential in Richtung 1,15 im Jahresverlauf. Die Renditen der Staatsanleihen werden weiter sukzessive zunehmen. Der Druck auf die EZB in Richtung einer Veränderung der Zins- und Geldpolitik wird ebenfalls sukzessive zunehmen.

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