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Finanzmarktausblick 2017

Der Marktausblick unseres Chefanalysten: Folker Hellmeyer blickt auf die aktuellen konjunkturellen Entwicklungen und auf das Jahr 2017.

veröffentlicht am 14.12.2016 |  
Folker Hellmeyer

Folker Hellmeyer

Chefanalyst

Prolog: Ein Blick auf Kontinentaleuropa (Eurozone) – Achten wir, was wir haben?

Das Jahr 2016 ging sehr schnell vorüber. Viele Veranstaltungen mit unterschiedlichsten Teilnehmerkreisen lieferten ein klares Bild. Die Stimmung der Menschen gegenüber der EU, der Eurozone, der EZB und dem Euro ist gelinde gesagt kritisch. Das hat sehr gute Gründe.
Sowohl die Politik als auch die meinungsbildenden Marktteilnehmer und auch die überwiegende Mehrzahl der Medien fokussieren sich seit acht Jahren nahezu solitär auf fraglos gegebene Defizite und Probleme im kontinentaleuropäischen Raum.
Die Thematisierung der Erfolge findet jedoch aus welchen Gründen auch immer weder politisch noch medial statt. Damit wird eine asymmetrische Wahrnehmung in der Bevölkerung Kontinentaleuropas fest verankert, die ultimativ selbstzerstörerisch wirken kann.
Zu allem Überfluss werden die strukturellen Fehlleistungen in den USA und dem UK nahezu vollständig ausgeblendet. Genau dieser Umstand verschärft die negative Wahrnehmung des eigenen politischen und wirtschaftlichen Umfelds in der Eurozone.

Es gilt, mit einem historischen Exkurs zu beginnen:

Heute ist weitgehend außer Acht gelassen, dass es bis 1965 das klar definierte Ziel unter der Achse Paris-Bonn einer politischen Union Europas gab. Mit der Intervention Washingtons 1965/1966, Großbritannien in den Kreis der europäischen Familie aufzunehmen, wurde dieses Unterfangen faktisch getötet. Wie sagte General de Gaulle so treffend im Jahr 1966: Washington, London und Bonn stießen mir und der politischen Union Europas den Dolch in den Rücken.

Das UK war in der Phase bis zum Beitritt 1973 in einer äußerst prekären Wirtschaftssituation. In dieser Phase war Kontinentaleuropa mit dem UK solidarisch – wir reichten die Hand, um nach erster konjunktureller Wiederbelebung des UK im Jahr 1984 von Maggie Thatcher mit der Forderung „We want our money back!“ konfrontiert zu werden. Mehr noch gab es für das UK bis zum Frühjahr 2016 durchgehend Sonderbehandlungen, also Extrawürste.

Verhält sich so ein loyales Mitglied einer Gemeinschaft? Mehr noch hat das UK stets daran gearbeitet, dass eine tiefere Integration in der EU nicht stattfand. Mit anderen Worten verändert sich die Welt im Rahmen der Globalisierung dynamisch und die EU bleibt strukturell im Innenverhältnis weitgehend statisch. Das bedeutet Einflussverlust und im Zweifelsfall bedingt es ökonomischen Schaden.

Das UK hat sich immer außenpolitisch in der speziellen Partnerschaft zu den USA definiert. Damit kann die EU nur die Rolle der politischen „Zweitfrau“ spielen, die Mittel zum Zweck, aber nicht Zentrum ist. Die Rolle, die das UK an der Seite der US-Geheimdienste im Rahmen der „Five Eyes“ (und der ökonomischen/politischen Schäden in der EU) spielt, darf als ein nicht unwesentliches Indiz interpretiert werden.

Vor diesem Hintergrund ist das Brexitunterfangen eine Chance, die Kontinentaleuropa die Möglichkeit einer Weiterentwicklung/Integration ermöglicht. Mehr noch ist ein regelbasierter Brexit (manche nennen ihn „hart“, was für eine verbale Manipulation!) eine Chance, zu verdeutlichen, dass die Folgen eines Austritts für das Vereinigte Königreich ökonomisch und in der Folge gesellschaftspolitisch kontraproduktiv sind.
Alle „Global Player“, die das UK als Produktionsplattform für die EU nutzen, haben ihre Investitionen mehr oder weniger gedrosselt. Für den Fall des Brexit stehen Produktionsstättenverlagerungen an, die den Kapitalstock des UK schmälerten und den Kapitalstock Kontinentaleuropas erhöhten. Daraus negative konjunkturelle Folgen für Kontinentaleuropa ableiten zu wollen, überlassen wir einigen Dritten, die sich dieses Jobs laut und mit hoher medialer Aufmerksamkeit befleißigen.

Politisch wäre der Brexit ein Katalysator gegen die aktuellen Fliehkräfte, die sich innenpolitisch in der jüngeren Vergangenheit ergaben (AfD, Front National, FPÖ), da am Brexit deutlich würde, dass Nationalstaatlichkeit in einer dynamischen Entwicklung auf globaler Ebene hin zu Blöcken weder politisch noch ökonomisch positive Wirkungspotentiale entfalten kann.

Fazit des Exkurses
Die Chancen, die der Brexit bietet, sind ungleich größer als die lautstark medial thematisierten Risi-ken. Es gilt, die darin liegenden Chancen für Kontinentaleuropa zu nutzen und damit historische Fehlentwicklungen zu korrigieren.


Ein weiteres Thema ist für die EU kritisch. Die Osterweiterung der EU wurde mit heißer Nadel genäht. Von 14 Neumitgliedern hat nur ein aufgenommenes Land die Bedingungen in unbestechlicher Form erfüllt. Wer bei Eintrittsstandards latent nivelliert, hat im Zweifelsfall kein Niveau.

Auch die Assoziierung der Ukraine in die EU wirft vor dem Hintergrund massive Fragen auf, da es offensichtlich keine Lernkurven aus dem vorhergehenden Fehlverhalten gibt. Das erste Assoziierungsabkommen mit der Uk-raine, dass zwischen 2007 und 2012 verhandelt wurde, ist aus profunden Gründen der mangelnden Gewalten-teilung zwischen Exekutive, Legislative und Judikative von der bundesdeutschen Regierung zu Fall gebracht worden.

Link: http://www.bpb.de/internationales/europa/ukraine/137814/chronik-des-assoziierungsabkommen

Wie konnte dann die Ukraine in der Phase 2014/2015 assoziiert werden? Ist das europäische Interessenpolitik oder Interessenpolitik Dritter, die willfährig erfüllt wird? Es ist Aufgabe der EU, die Interessen der Bürger in der EU zu vertreten, mehr nicht, weniger auch nicht!

Fazit
Hier sind Lernkurven zwingend erforderlich – nur was zusammenpasst (Standards) sollte auch miteinander verbunden werden, ansonsten spielt man mit der Loyalität der Menschen, die man zu vertreten hat.

Wie erklärt man den Bürgern der EU Kontinentaleuropa in wenigen Worten?

  • Kontinentaleuropa ist der letzte Hort der humanistisch geprägten Demokratie, wo Menschen an sich und nicht Eliten im Fokus stehen, auch wenn dieser Status in den letzten 20 Jahren ein Stück weit geschliffen wurde.
  • Kontinentaleuropa (Eurozone) ist weltweit der Wirtschaftsraum mit der effizientesten Infrastruktur für einen Wirtschaftsraum mit 330 Mio. Menschen.
  • Kontinentaleuropa (Eurozone) ist weltweit der Wirtschaftsraum mit der verlässlichsten Rechtsstruktur für einen Wirtschaftsraum mit 330 Mio. Menschen.
  • Kontinentaleuropa hat die stringentesten Reformen in der Geschichte der westlichen Welt in den letzten acht Jahren umgesetzt und damit die strukturellen Haushaltsdefizite als auch die Nord-Süd Divergenz (Handelsbilanzen) bereinigt. Mehr noch basiert die wirtschaftliche Expansion nahezu solitär auf wiederkehrenden Einkommen (im Gegensatz zu USA).
  • Der Kapitalstock der Eurozone ist (noch) Ausdruck einer massiven Potenz, die nach wie vor mangels Integration nicht bezüglich der möglichen Synergieeffekte genutzt wird. „Hidden Champions“ sind Unternehmen, die in ihrer Branche Nummer eins im eigenen Land sind und unter den Top Drei der Branche in der Weltwirtschaft reüssieren. Mit nur circa 4% der Weltbevölkerung stellt die Eurozone circa 60% aller „Hidden Champions“.

Die politische Rolle Kontinentaleuropas sollte darin bestehen, dass man Mediator zwischen den Blöcken unter Toleranz der unterschiedlichen Kulturen und der damit einhergehenden politischen Strukturen ist und mit allen Seiten gute Geschäfte macht. Es ist das Motto der Hanse: Wandel durch Handel. Das ist Frieden stiftende Politik. Es erhöht den Wohlstand. Aus Wohlstand ergibt sich Freiheitswille! Mit „Regime-Change“ Politik verbinden sich außenpolitisch nicht die Begriffe der Toleranz und des Pluralismus, die innenpolitisch so sehr dominieren.

Wer Kontinentaleuropa aus kurzfristigen Überlegungen und Stresszuständen zur Disposition stellt, stellt auch die oben dargestellten Strukturen zur Disposition. Achten wir das, was wir haben oder schauen wir nur auf die Dinge, die wir nicht haben? Ist diese Asymmetrie der Wahrnehmung nicht ein massives Risiko für eine rationale Entscheidung? Bedeutet der Weg in die Nationalstaatlichkeit dann nicht eine Unterordnung unter die Kräfte, die ihre Hausaufgaben strukturell weit weniger gelöst haben, als wir in Kontinentaleuropa?

Die Chance zur Einigung Europas gibt es nicht jeden Tag. Die unsäglichen Schmerzen, die Grundlage der Entwicklung hin zu der bisherigen europäischen Einigung waren, sind heute nicht mehr in den Köpfen präsent.
Beenden wir die Entwicklung einer integrativen Lösung für Kontinentaleuropa, nachdem sich das UK verabschieden wird, werden uns kommende Generationen viele, vor allen Dingen unangenehme Fragen stellen.

Die Aufgaben, vor denen Kontinentaleuropa steht, sind massiv
Beispielsweise die Demokratisierung der Institutionen, ein Weg zur EU der zwei Geschwindigkeiten (EU1 = Eurozone mit zügiger Integration, EU2 lockere Anbindung ökonomisch ohne maßgebliches politisches Mitsprache-recht), politische Harmonisierung mit klaren politischen Strukturen für den internationalen Auftritt (Außenminister, Finanzminister), gemeinschaftlicher militärischer Auftritt, Emanzipation von politischer Bevormundung durch Dritte, um nur einige Themen aufzugreifen.
Diese Aufgaben werden Zeit in Anspruch nehmen.

Es ist an den Menschen Kontinentaleuropas, zu entscheiden, welchen Weg wir wählen.

Rückblick: Weltkonjunktur erneut enttäuschend, aber zunehmende Dynamik Ende 2016

Die zu Beginn des Jahres veröffentlichten Wachstumsprognosen mussten im Jahresverlauf revidiert werden. Zur Verdeutlichung sind die Prognoseanpassungen des IWF (World Economic Outlook) von 10/2015 auf 10/2016 angeführt.

Im Sektor der bedeutenden Wirtschaftsräume haben die USA mit -1,2% die größte Wachstumsverfehlung aufzuweisen.
China, Indien und die Eurozone lieferten die positiven Überraschungen bezüglich der IWF und den Mainstreamprognosen zu Jahresende 2015/Jahresbeginn 2016.

Damit entspricht das vorläufige Ergebnis der Wachstumsprognosen für die großen Wirtschaftsräume den Makroroprognosen aus dem BLB Jahresausblick 2016.

Aufstrebende Länder 2016: Es geht los!

Das aus China heraus forcierte Projekt „One Belt –One Road” hat erwartungsgemäß, aber schlussendlich gezwungenermaßen (man konnte es nicht mehr ignorieren) eine erhöhte Popularität erlangt. Chinas Wachstumsprognose musste seitens des Mainstreams in der Folge nach oben korrigiert werden. Der mit diesen Infrastrukturmaßnahmen verbundene erhöhte Rohstoffverzehr hat unseren Erwartungen entsprechend zu deutlich höhe-ren Notierungen an den Rohstoffbörsen geführt. Das gilt vor allen Dingen für Industriemetalle und Energierohstoffe.

Entsprechend haben sich die im Jahresverlauf in den Rohstoff produzierenden Ländern verbesserte Konjunkturlagen ergeben. Russland lieferte 2016 ein markantes Beispiel bezüglich Stabilisierung und Setzen der Basis für zukünftiges Wachstum trotz der nach wie vor gegebenen Sanktionen.

Eurozone 2016, besser als prognostiziert!

Trotz des nicht vom Mainstream erwarteten, aber gut verarbeiteten Brexitvotums lieferte die Eurozone 2016 einen Wachstumsclip in Höhe von voraussichtlich 1,7%. Damit bewegte sich die Expansion des BIP oberhalb des von der EZB ermittelten Potentialwachstumspfads. Mehr noch basierte per 2016 das BIP-Wachstum maßgeblich auf wiederkehrenden Einkommen. Ergo ist das Qualitätsbild der wirtschaftlichen Expansion als widerstandsfähig und gut zu klassifizieren.

Die fraglos gegebene Divergenz in den unterschiedlichen nationalen Räumen in der Konjunkturentwicklung der Eurozone bleibt eine Herausforderung. Italiens politische Instabilität und Bankenmisere war 2016 eine konjunkturelle Belastung, die dazu führte, dass Italien das konjunkturelle Potential nicht ausnutzen konnte. Positiv ist anzumerken, dass bedeutungsvolle Arbeitsmarktreformen sowohl in Italien als auch in Frankreich umgesetzt wurden.

Die Verlängerung der quantitativen Politik der EZB bis Jahresende 2017 wirft vor dem Hintergrund der nicht erwarteten Wachstumshöhe und der bestechenden Qualität Fragen bezüglich des Mandats der EZB auf, auf die an dieser Stelle nicht eingegangen werden soll.

Deutschland 2016 weiter stabiler Motor!

Deutschland wächst weiter oberhalb des Potentialwachstumspfads. 2016 werden es laut IWF mindestens 1,7%. Das Umfeld ist von vielen positiven Einflussfaktoren geprägt, die nicht in der Verantwortung unserer politischen Klasse liegen.

Das maßgeblich von der EZB und von den Märkten forcierte Zinsniveau, ob am Geld- oder am Kapitalmarkt, ist bezüglich der Reife der wirtschaftlichen Expansion grotesk niedrig und muss als eine historisch einmalige Anomalie mit der Wirkung einer Subvention klassifiziert werden. Auch die damit einhergehende niedrige Bewertung des Euros stellt eine weitere Subventionierung des deutschen Wirtschaftsmodells dar.

In der Folge nimmt die Partizipationsrate am Arbeitsmarkt, ganz im Gegensatz zu den USA zu. Das Wachstum der Lohnsumme durch höhere Beschäftigung und Lohnsteigerungen war und ist der maßgebliche Katalysator des Wachstums.

USA 2016 – Massive Enttäuschung auf allen Ebenen ohne sachliche Diskontierung an Märkten

Die Wachstumsprognosen der USA per 2016 mussten von 2,8% auf aktuell 1,6% massiv geschliffen werden. Die Qualität des Wachstums ist kritisch, sowohl im von Krediten getriebenen Konsumsektor als auch im Rahmen der Alimentierung des Wachstums durch öffentliche Haushaltsdefizite.

In der unbestechlichen Form der Darstellung durch die US-Treasury (Public Debt) läuft das öffentliche Haushaltsdefizit voraussichtlich zwischen 5,5% - 6% des BIP per 2016 aus. Die Wahl Donald Trumps und die nachfolgenden Reaktionen seitens der Wall Street, dem Establishment und den Märkten werfen dramatische Fragen auf, die an dieser Stelle nicht weiter vertieft werden sollen.

Fakt ist, dass die massive makroökonomische US-Enttäuschung per 2016, die dramatischste Fehlbeurteilung bezüglich erwarteter sechs US-Zinserhöhungen, die größte Fehleinschätzung des Establishments und des Mainstreams bei den US-Präsidentenwahlen und die eklatanteste Zunahme öffentlicher Verschuldung unter den großen Wirtschaftsräumen mit dem Höchstniveau des USD-Index seit 13 Jahren per 11/12/2016 belohnt wurden. Derartige Divergenzen zwischen Realität und Bewertung haben nur in totalitären Systemen längere Restlaufzeiten.

Fazit
Im zweiten Halbjahr ergab sich eine Zunahme der Konjunkturdynamik auf globaler Ebene, die ihren Ursprung in den aufstrebenden Ländern hat und einen strukturellen und extrapolierbaren Hintergrund bieten.

Konjunktureller Ausblick 2017: Lernen von China – es geht aufwärts!

Das dargestellte Basisszenario unterstellt, dass sich die geopolitische Situation nicht nachhaltig verschlechtert. Die Konfidenz dieses Basisszenarios liegt bei 80%.

Optimismus für den globalen Konjunkturverlauf per 2017 ist gewährleistet. Die Grundlagen liegen maßgeblich in strukturellen Wachstumsprojekten (Aristoteles) in den aufstrebenden Ländern, die Wirkungspotentiale in die westlichen Konjunkturlagen haben werden. Globalisierung ist diesbezüglich hilfreich.

Das Thema per 2017 und fortfolgende Jahre lautet: Lernen von China!
Nachdem supranationale Institutionen der westlichen Hemisphäre (u.a. IWF) im Jahr 2016 in Arbeitspapieren einräumten, dass die Finanzinterventionen ihren Grenznutzen (Liest die EZB mit?) überschritten hätten, kommt es in der westlichen Welt im Rahmen dieser Erkenntnisgewinnung zu einer Adaption des Modells Chinas, die mit der Umsetzung des Projekts „One Belt – One Road“ lange erkennbar Zeichen setzte und setzen wird.

In den USA will Trump eine Billion USD in die Infrastruktur investieren. Konjunkturelle Wirkung kann hier wegen der Planungsphase aber frühestens ab Mitte 2018 erwartet werden. Der Juncker Plan sieht für die EU ein Infrastrukturprogramm in Höhe von 350 Mrd. Euro vor. Hier liegt die makroökonomische Wirkung jedoch weiter in der Ferne, da Planfeststellungsverfahren in Europa zeitaufwändiger sind als anderswo auf der Welt.

Zum Jahresausklang 2016 muss ein weiterer tragender Aspekt thematisiert werden. „President-Elect“ Trump hat mehrfach betont, dass er der „Regime-Change“ Politik der USA der letzten circa 20 Jahre ein Ende setzen wird. Es steht Zusammenarbeit und nicht Konfrontation auf der voraussichtlichen Agenda der neuen US-Regierung. Anders übersetzt will Trump eine Friedensdividende liefern. Eine Befriedung der Welt des Nahen Ostens und der Ukraine würde die globale Risikoaversion minimieren.

Das hätte grundsätzlich eine positive Wirkung auf die Investitionslage. Bei hoher Risikoaversion werden nur die Investitionen umgesetzt, die zwingend erforderlich sind. Bei einer Friedensdividende ergibt sich für den Investitionsgüterzyklus ein erhöhter Wachstumsclip. Mehr noch könnte der Wiederaufbau im Nahen Osten das globale Wachstumsbild weiter forcieren.

Für Europa steht im kommenden Jahr mit der angekündigten Neuausrichtung der US-Regierung gegenüber Herrn Putin und einem voraussichtlichen französischem Präsidenten Fillon, der auch Interesse an guten Beziehungen zu Moskau hat, die Chance im Raum aus dem vollkommen kontraproduktiven Sanktionsregime gegen Moskau auszusteigen.

Denjenigen politischen Kräften in Deutschland und der EU, die Steigbügelhalter der neokonservativen „US-Regime-Change“ Politik waren und sind, ist aller Voraussicht nach das Pferd abhandengekommen. Wie opportunistisch und wie schnell werden jetzt wohl Pferde gewechselt? Die aktuell zunehmende kritische Berichterstattung über den „Failed State“ Ukraine, in der Phase 2014/2015 undenkbar, kann man als politisches und mediales Rückzugsgefecht interpretieren.

Die im Raum stehenden weiteren Infrastrukturprojekte in den USA und in der EU neben dem Projekt „One Belt –One Road“ werden fortgesetzt eine preistreibende Kraft darstellen, die den Rohstoffsektor unter Schwankungen per 2017 bestimmen wird. Ergo dürfen die aufstrebenden Länder aus dem Sektor der Produzentenländer, aber auch China als maßgeblicher Produzent für diese Projekte in den aufstrebenden Ländern verbesserte Konjunkturlagen aufweisen.

Deutschland und die Eurozone - Konjunktur 2017
Die Frühindikatoren der OECD liefern trotz der globalen Dynamikverluste positive Signale in der Eurozone. Ein Indexwert bei 100 Punkten entspricht dem langjährigen Mittelwert.

Die positive Tendenz der Eurozone im Gegensatz zu dem Niveau der OECD-Ebene ist Ausdruck des Erfolgs der Reformpolitik in den Reformländern der Eurozone. Mit aktuell 100,3 Punkte wird ein Wachstum beschrieben, dass oberhalb des langjährigen Durchschnitts liegt. Steigender Konsum bei abnehmender Arbeitslosigkeit und leicht zunehmende Investitionstätigkeit im privaten und öffentlichen Sektor als auch der positive Impuls aus der Weltwirtschaft werden 2017 das Wachstum der Eurozone und Deutschlands definieren. Es bleibt überwiegend von wiederkehrenden Einkommen definiert.

Politische Risiken 2017
Im Rahmen der in Frankreich, Holland und Deutschland stattfindenden Wahlen ergeben sich politische Risikocluster. Die antieuropäischen Kräfte haben zum Zeitpunkt des Verfassens dieser Zeilen keine Chance, sich durchzusetzen. Das hier erkennbare Risiko für die BIP-Prognose liegt bei 15%.

Asse im Ärmel Kontinentaleuropas
Ein leichtes Anziehen der Kreditvergabe von derzeit 1,8% - 2,0% in Richtung 2,5% oder darüber hinaus könnte unerwartet positive Akzente für den Konjunkturverlauf setzen. Der Brexit führt zu nachhaltigeren Produktionsstättenverlagerungen nach Kontinentaleuropa mit positiven Effekten für den Kapitalstock und den Potentialwachstumspfad. Die Russlandsanktionen werden eliminiert und eröffnen aus den Produktionsstätten Kontinentaleuropas heraus eine verstärkte Teilnahme an den Infrastrukturprojekten der aufstrebenden Länder.

Fazit
Trotz der belastenden Kalendereffekte steht einem Wachstum der Eurozone und Deutschlands von mindestens 1,7% und maximal 2,0% (Asse im Ärmel) auf der Agenda.

Eurozone: Strukturelle Gesundung setzt sich fort!
Die strukturelle Gesundung der Reformländer setzt sich in der Waren- und Dienstleistungsbilanz weiter fort und ist beachtlich. Das gilt insbesondere für die Entwicklung der Exporte.

Nicht nur die wiedererlangte Konkurrenzfähigkeit der Reformländer der Eurozone beeindruckt, sondern auch die gesundeten öffentlichen Haushaltslagen. Im strukturellen Bild, dem konjunkturell bereinigten Primärhaushalt, wird insbesondere deutlich, dass Kontinentaleuropa die Hausaufgaben bisher weit besser bewältigt hat, als die Achse Washington, London und Tokio!

Fazit
Wann wird diesen Erfolgen der Eurozone Rechnung getragen und wem nützt diese asymmetrische Wahrnehmung bei Kapitalströmen?

USA: Unterproportionaler Wachstumspfad 2017 weiter auf der Agenda
Auch 2017 werden die USA konjunkturell enttäuschen. Der Mangel an Strukturreformen fordert seinen Preis. Fakt ist, dass in den USA der Politikansatz wiederholt wurde, der zu der Krise 2008/2009 führte.

Maßgeblich kreditbasiertes Wachstum ist nur dann gut, wenn die Einkommen in Breite und Tiefe proportional mitwachsen. Wegen der massiven Ungleichheit der Einkommensverteilung in den USA dürfen aber nicht die durchschnittlichen, sondern die mittleren Einkommen als Basis der Betrachtung gewählt werden. Die nahmen in der Berichtsperiodie 2008 – 2016 um nominal circa 15% zu, während Konsumkredite nominal um 37,4%, respektive 41,3% zulegten. Das ist prekär! Es ist noch prekärer, da die Kreditvergabemodalitäten in den USA laxer als vor der Krise 2008/2009 sind (FICO-Scores).
Nachfolgende Tabelle verdeutlicht das nicht medial und politisch thematisierte Schuldendilemma der USA:

Der dramatische Anstieg der öffentlichen Neuverschuldung im zweiten Halbjahr 2016 um knapp 500 Mrd. USD liefert eine Qualitätsaussage über die nicht gegebenen selbsttragenden Kräfte des aktuellen US-Wirtschaftsmodells. Das öffentliche Defizit, das per 2016 weit höher als im Fiscal Monitor des IWF (USA 2016 4,1%) per Oktober 2016 bei 5,5% - 6,0% des BIP liegen wird, ist unbestechlicher Beleg dieser These.

Donald Trump will sowohl die Agenda Reagans mit Steuersenkungen erheblichen Ausmaßes als auch die Agenda Roosevelts mit massiven Infrastrukturmaßnahmen in sein Regierungsprogramm implementieren. Insbesondere die Steuersenkungen werden zu einer weiteren Ausdehnung der öffentlichen Defizite führen. Die konjunkturelle Wirkung kann sich frühestens im 2. Halbjahr 2017 entfalten. Der daraus ableitbare Wachstumsimpuls liegt per 2017 bei maximal 0,2% des BIP. Die Infrastrukturmaßnahmen werden frühestens ab Mitte 2018 auf das BIP positiv einwirken.

Positiv fällt für die USA der Anstieg der Rohstoffpreise, insbesondere der des Ölpreises aus. Fracking und Shale kommen 2017 wieder auf die Wachstumsschiene. Der industrielle Sektor erhält von dieser Seite 2017 Unterstützung.

Fazit
Wie im letzten Jahr folgen wir in der Methodik der Prognose strukturellen Erwägungen, die einen Wachstumsclip zwischen 1,7% - 2,0% nach kreativer US-BIP-Rechnungslegung ermöglichen.

Globale BIP-Prognose

Globales Wachstum per 2017: 3,6% - 3,9%
Fazit

Die Wachstumsprognose mit einer Bandbreite zwischen 3,6% - 3,9% fällt höher als die des Mainstreams (IWF 3,4%) aus. Die obwaltenden Bedingungen für die aufstrebenden Länder und die durch Strukturreformen widerstandsfähige Eurozone, die circa 78% der Weltwirtschaft ausmachen, zeichnen für diesen positiven Ausblick maßgeblich verantwortlich.

Devisenmarkt:

Bandbreiteprognosen EUR vs. Hauptwährungen

Die zum Jahresende 2016 ausgeprägte Schwäche des Euros gegenüber dem USD und GBP hat keine fundamentale Tragfähigkeit. In dieser Phase bis Februar 2017 kann in dem Währungspaar EUR-USD nicht die Parität ausgeschlossen werden.

Ein weiterer Anstieg des USD würde das Programm Trumps von mehr Wachstum massiv beeinträchtigen. Nach der Jahresend- respektive Jahresanfangsschwäche des Euros steht eine sukzessive Befestigung im Verlauf bis zu Zielgrößen von 1,17 – 1,20 in der Währungsrelation EUR-USD im Raum.

Aktienmarkt:

Bandbreitenprognose für den DAX

Ein volatiler Verlauf analog zum Jahresverlauf 2016 ist in hohem Maße wahrscheinlich. Hinsichtlich der besser erwarteten Konjunkturlage in der Weltwirtschaft und damit ein-hergehenden Skaleneffekten für die Unternehmen ist eine „Buy the Dip“ Strategie Sinn stiftend.

Rentenmarkt:

Bandbreitenprognose 10 jährige Bunds

Ein Wachstum jenseits des Potentials gekoppelt mit anziehender Preisinflation werden zu einer sukzessiven Neubewertung an den Kapitalmärkten führen. Die Anleihekäufe der EZB werden diese Tendenz nur nivellieren können. Mehr noch ergibt sich für die EZB das Risiko, in der Zins- und Geldpolitik hinter die Kurve zurückzufallen.

Verbraucherpreise:

Bandbreitenprognose Eurozone

Mit steigenden Rohstoffpreisen auch 2017 in einer Durchschnittsbetrachtung, mit zu-nehmender Beschäftigung und einer leicht positiven Konjunkturüberraschung steht das Thema der wieder aufflammenden Preisinflation im Raum. Wegen starker Basiseffekte wird im ersten Quartal ein fulminanter Anstieg auf circa 1,5% eintreten.

Leitzinsen EUR/USD:

Bandbreitenprognose Leitzinsen EZB und FOMC

Die EZB hat im Dezember 2016 noch einmal die quantitativen Ankäufe durch die Prolongation des Ankaufprogramms forciert. Die Negation der Fortschritte in der Eurozone ist seitens der EZB ausgeprägt. Die durch diese Politik generierten Schäden nehmen in der Struktur zu. Diese Negation des strukturellen Schadens darf als Irritierend bezeichnet werden. Auf Basis der positiven Prognose für den Euroraum ist die Chance ausgeprägt, dass die EZB unter Handlungsdruck kommt.

Eine Beendigung der Negativzinsen spätestens im dritten Quartal 2017 ist wahrscheinlich. Das Thema Zinserhöhungen in der Eurozone wird spätestens im 4. Quartal 2017 diskussionsfähig sein.
Nachdem die Federal Reserve bis zum 12.12.2016 im laufenden Jahr nicht in der Lage war, auch nur eine Zinserhöhung umzusetzen, wird auch das Jahr 2017 maximal von zwei Zinserhöhungen geprägt sein.

Auch wenn der „Markt“ und Finanz- und Wirtschaftsmedien es nicht hören wollen, diese Zinserhöhungsverweigerung hat strukturelle Gründe.

Die Wiederholung des US-Geschäftsmodells, das zur Krise 2008/2009 führte, stellt nicht die Lösung dar. Sie ist das Problem. Nachdem der private Sektor bis zum Anschlag Verschuldung aufbaute, übernimmt nun der Staat zur Stabilisierung der Konjunkturlage!


Verfasst von: Financial Markets
Folker Hellmeyer  0421 332 2690  folker.hellmeyer@bremerlandesbank.de

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